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Jahresbericht 2016 „Lernen – Arbeiten – Teilhaben“ vorgestellt: „Ich nehme mein Leben in die Hand!“

23.06.2017

Sozialwerk St. Georg: Bildungs- und Arbeitsangebote ausgebaut – Ziel 2017: Menschen „beteiligen, bemächtigen, befähigen“ – Filmpremiere – Bundesteilhabegesetz: Appell an Landesregierung

Jahresbericht 2016 „Lernen – Arbeiten – Teilhaben“ vorgestellt:  „Ich nehme mein Leben in die Hand!“

Der Vorstand des Sozialwerks St. Georg – Wolfgang Meyer und Gitta Bernshausen– stellte den Jahresbericht des sozialen Dienstleistungsunternehmens im Cafè LebensArt in Gelsenkirchen vor.

Vorstellung des Jahresberichts plus Filmpremiere in Gelsenkirchen mit (v. l.) Gitta Bernshausen, Martina Lange, Angelika Wagener, Tim P., Barbara Scheller, Michael Wienands, Wolfgang Meyer.

NRW/Gelsenkirchen. – Der Vorstand des Sozialwerks St. Georg hat am Freitag (23. Juni) im inklusiven „Café LebensArt“ in Gelsenkirchen den Jahresbericht 2016 „Lernen – Arbeiten – Teilhaben“ vorgestellt. „Wir haben unsere Angebote vor allem im Bereich Bildung und Arbeit, aber auch beim Wohnen in 2016 weiter ausgebaut. Dadurch wollen wir Menschen mit Assistenzbedarf noch mehr am gesellschaftlichen Leben beteiligen, sie bemächtigen, befähigen – kurz: empowern!“, fasst Vorstand Wolfgang Meyer den Jahresbericht auf www.gemeinsam-anders-stark.de/jahresbericht für NRW zusammen. Für 2017 heißt es jetzt: „Gemeinsam. Stark. Machen!“. Der Vorstand appelliert zudem an die neue Landesregierung, das neue „Bundesteilhabegesetz“ (BTHG) nun gut in Landesrecht umzusetzen.

Das Anfang 2017 in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz hat die verbesserten Rechte für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben, erstmals in nationalem Recht verankert. Wolfgang Meyer erläutert: „Seit langem bereiten wir uns als Sozialwerk St. Georg auf dieses neue Teilhaberecht vor – zum Beispiel durch die stärkere Verzahnung der Werkstätten auf der lokalen Ebene mit weiteren Wohn- und Assistenz-Dienstleistungen.“ Der Bund habe mit dem BTHG den Rahmen gesetzt. Vorstandskollegin Gitta Bernshausen pflichtet ihm bei: „Jetzt ist es an der neuen Landesregierung, diesen Rahmen im Sinne der Menschen mit Behinderung in NRW optimal auszufüllen.“ Hier schließt sich das Sozialwerk der aktuellen Forderung der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und der Landschaftsverbände in NRW uneingeschränkt an. Wolfgang Meyer: „Gemeinsam appellieren wir, dass das Land schnell die Zuständigkeiten festlegt, damit die konkreten Ausführungsbestimmungen einheitlich für NRW bearbeitet werden können und so die weitere Umsetzung des BTHG möglich wird. Damit die Anbieter der Hilfen für Menschen mit Behinderung wie auch diese selbst sich frühzeitig hierauf einstellen können.“

Menschen mit und ohne Assistenzbedarf arbeiten im Sinne des BTHG gemeinsam, gleichberechtigt, auf Augenhöhe zusammen – wie im „Café LebensArt“ des Sozialwerks an der Theodor-Otte-Straße in Gelsenkirchen. Dort verbindet und stärkt die gemeinsame Arbeit die Mitarbeitenden. Das „gemeinsam“ geht so weit, dass sich Servicekraft Michael Wienands (43) und Hauswirtschafterin Angelika Wagener (67) auf ein Statement geeinigt haben, was ihnen bei ihrer Arbeit wichtig ist: „Dass die Kunden sich wohlfühlen, denn der Kunde ist König. Wir wollen uns gegenseitig respektieren und wünschen uns, dass unser Café weiterhin so gut angenommen wird.“ Das Café steht dabei stellvertretend für viele weitere Angebote in NRW. Wolfgang Meyer sagt: „Das Café LebensArt wird als normales Café wahrgenommen. Es steht als Außenstelle der Emscher-Werkstatt für eine neue Form von Werkstattarbeit. So finden Menschen mit Assistenzbedarf immer mehr Arbeit außerhalb von Werkstätten.“

Die Initiative des Sozialwerks zum „inklusiven Lernen und Arbeiten“ von Menschen mit und ohne Assistenzbedarf will dies auf vielfältige Weise ermöglichen – sei es durch Praktika oder Jobs in Unternehmen auf dem ersten Arbeitsmarkt, auf begleiteten Außenarbeitsplätzen, in geförderten Inklusionsbetrieben. „Wir rufen Arbeitgeber auf: Nutzen Sie die Potenziale auch von Menschen mit Assistenzbedarf und die damit verbundene finanzielle Förderung!“, sagt Wolfgang Meyer. Interessierte Unternehmen und Institutionen finden erste Infos zu Einstellungsprämien, Lohnkostenübernahmen und Eingliederungszuschüssen sowie Ansprechpartner für die verschiedenen Regionen in NRW auf www.lernen-arbeiten-teilhaben.de. Dort ist auch ein gleichnamiger Film abrufbar.

Der Inklusionsbetrieb „INTZeit-Arbeit“ zum Beispiel hat sein Angebotsspektrum im vergangenen Jahr ausgebaut und weitere Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt geschaffen. Ob im Handwerker- oder Elektroservice, in Gastronomie oder Einzelhandel: „Die INTZeit-Arbeit gGmbH gehört mit mittlerweile 185 Mitarbeitenden – Schwerbehinderten-Quote: 42 Prozent – zu den größten Inklusionsunternehmen in NRW“, betont Meyer. In Verbindung mit den Angeboten in den Tagesstätten und den beiden Werkstätten mit ihren 98 Außenarbeitsplätzen (Ende 2016, Vorjahr: 89) gilt: „Damit haben alle Menschen im Sozialwerk die Chance, wertschöpfend tätig zu sein“, so Meyer. Ende 2016 waren somit auf Außenarbeitsplätzen und in Inklusionsprojekten insgesamt 155 Menschen mit Assistenzbedarf tätig – rund 21 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die diesjährige Empowerment-Initiative des Sozialwerks „Gemeinsam. Stark. Machen!“ nimmt neben dem Lernen & Arbeiten weitere Lebensbereiche in den Blick. Vorstand Gitta Bernshausen erklärt: „Damit wollen wir Menschen umfassend stärken, so dass diese sagen können: ‚Ich nehme mein Leben in die Hand‘". Dazu gab es heute eine Filmpremiere: Für den Kurzfilm hatten Menschen mit und ohne Assistenzbedarf gemeinsam das Drehbuch entwickelt. Das „inklusive Filmteam“ begibt sich à la Sherlock Holmes auf die Suche „nach dem, was uns stark macht“. Auf seiner filmischen Ermittlungsreise ist es dem „Geheimnis des Starkwerdens“ auf der Spur und trifft an verschiedenen Orten in NRW Menschen, die über ihre persönlichen Erfahrungen sprechen. Tim P. (36) z. B. sagt: „Mich macht stark, dass ich Improtheater spiele!“ Der Gelsenkirchener ist seit einem Jahr Mitglied der Gruppe „Inklu-Impro“ („Inklusion“ – „Improvisation“) und erzählt: „Die Erfahrung, vor Menschen aufzutreten, hat mich bei zahlreichen Auftritten in meinem Selbstbewusstsein gestärkt“. Der Film, an dessen Ende das Geheimnis schließlich gelüftet wird, ist hier abrufbar: www.gemeinsam-stark-machen.de. Dort verraten Menschen aus NRW in einer von der Aktion Mensch geförderten Bildergalerie zudem, was sie persönlich stark macht. Alle Interessierten sind eingeladen, selbst ein Foto hochzuladen.

2016 hat das Sozialwerk ein umfassendes Schutzkonzept „A wie achtsam!“ zur Prävention von Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung herausgegeben. „Es ist ein Meilenstein in der Formulierung und Darstellung der Rechte von Menschen mit Assistenzbedarf“, sagt Gitta Bernshausen. Eine eigene Präventionsbeauftragte bildet Präventionsberater aus. Alle Mitarbeitenden werden so zur Gewaltprävention geschult. „Durch all diese vorbeugenden Maßnahmen soll Gewalt in jeglicher Form – zum Beispiel als sexualisierte oder psychische Gewalt – weiterhin keine Chance haben“, so Bernshausen.

„Grundlage unserer Arbeit ist, dass uns Menschen mit Assistenzbedarf als Experten in eigener Sache selbst mitteilen, wie sie sich ihre zukünftige Entwicklung vorstellen“, so Bernshausen über die „inhaltlichen Pfeiler“ des Assistenzkonzepts „Qualität des Lebens“: „Auf diese Weise werden sie zu aktiven Gestaltern ihres Lebensweges“. Dabei reflektieren sie regelmäßig darüber, wie es um ihre persönliche Qualität des Lebens bestellt ist. Mithilfe des Jahresberichts 2016 unternimmt der Leser auf www.gemeinsam-anders-stark.de/jahresbericht eine Reise durch das Sozialwerk St. Georg zu den acht „Domänen“ – Lebensbereichen – der Qualität des Lebens wie „Soziale Beziehungen“, „Persönliche Entwicklung“ oder „Rechte“.

Gemäß der Devise „So viel ambulante Assistenz wie möglich“ ist der ambulante Bereich dabei in 2016 um weitere rund sieben Prozent auf 1.515 Klientinnen und Klienten gewachsen. Somit hat sich das Verhältnis ambulant zu stationär weiter zugunsten der ambulanten Assistenz verschoben, die Ende 2016 bereits 43 Prozent der Assistenzverhältnisse einnahm; 2005 waren es hingegen nur 18 Prozent und im Jahr 2000 gerade mal sechs Prozent. Gitta Bernshausen unterstreicht diesen enormen Wandel: „Ein wichtiges Ziel ist für uns stets, die Menschen zu befähigen, immer weniger Unterstützung in Anspruch zu nehmen und sie so nach und nach in autonome oder autonomere Lebensbezüge zu entlassen“, so Bernshausen. Dies sei den Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitenden des Sozialwerks in den vergangenen Jahren jeweils konstant in rund 160 Fällen gelungen.

Dass das Unternehmen sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich gut aufgestellt ist, zeigen auch die weiteren Kennzahlen des Geschäftsjahres 2016: So stiegen die Umsatzerlöse aus rund 5.000 Assistenzverhältnissen auf 140,3 Millionen Euro und die Gesamterträge auf rund 151,8 Millionen Euro bei einem Personalaufwand für rund 2.700 Mitarbeitende von rund 108,9 Millionen Euro. Dazu Wolfgang Meyer: „Das Sozialwerk St. Georg ist strategisch gut aufgestellt. Und das trotz der Rahmenbedingungen, zum Beispiel der generell schwierigen Personalgewinnung und der beschriebenen Herausforderungen des Bundesteilhabegesetzes.“ Meyer betont: „Auch in Zukunft können und werden wir bedarfsgerechte Angebote für die Menschen gestalten. Das schließt inklusive Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten ein – ganz im Sinne des Empowerment-Gedankens ‚Gemeinsam. Stark. Machen!‘

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