Sozialwerk St. Georg

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Kurzbeschreibung der Personal Outcomes Scale

Die Personal Outcomes Scale (POS) ist ein wissenschaftlich fundiertes Messinstrument, das zur Erfassung der individuellen Qualität des Lebens von Menschen dient. Sie befasst sich mit den drei Faktoren Unabhängigkeit einer Person, Gesellschaftliche Teilhabe und Wohlbefinden und umfasst 48 Aspekte von Qualität des Lebens, die im Interview mit Menschen mit und ohne Assistenzbedarf erhoben werden können. Die Antworten zu diesen 48 Aspekten werden, in Abstimmung mit dem Interviewten, auf einer 3er-Skala abgetragen. Die POS wird im Rahmen des im Sozialwerk St. Georg beschriebenen und gelebten Konzeptes Qualität des Lebens und im Prozess der Teilhabebegleitung – wiederkehrend – eingesetzt.

Weitere Informationen über das Assistenzkonzept Qualität des Lebens

Personal Outcomes werden anhand von 8 definierten Lebensbereichen, den sogenannten Domänen, definiert. Die Domänen 1 und 2 behandeln den Faktor Unabhängigkeit einer Person. Hierzu gehören:

  • Persönliche Entwicklung: Fähigkeiten zeigen, persönliche Kompetenzen, Lernen, Anwendung
  • Selbstbestimmung: selbstbestimmte Ziele, Entscheidungen und persönliche Kontrolle

Die Domänen 3 bis 5 umfassen den Faktor gesellschaftliche Teilhabe mit seinen Aspekten:

  • Soziale Beziehungen: Familie, Freunde und soziales Netzwerk als Feld von Interaktion, Beziehung und Unterstützung
  • Soziale Inklusion: der Mensch in der Gemeinschaft, Inklusion
  • Rechte: Wahrnehmung von menschlichen Rechten in der Gemeinschaft, Respekt & Würde

Die Domänen 6 bis 8 drehen sich um individuelle Bedürfnisse von Menschen, die zum Wohlbefinden gehören:

  • Emotionales Wohlbefinden: Zufriedenheit, Selbstverständnis, Abwesenheit von Stress und Entspannung
  • Physisches Wohlbefinden: Gesundheit, Tagesaktivitäten und Freizeit
  • Materielles Wohlbefinden: Geld/Besitz, Arbeit und Wohnen

Zusammengefasst werden zu jeder dieser 8 Domänen jeweils 6 Sachverhalte in Frageform erhoben (Indikatoren), z.B. Persönliche Entwicklung Frage # 3: „Erlernen Sie neue Fähigkeiten, um mehr Dinge tun zu können (…)?“ Zu jeder Frage gibt es immer 3 abgestufte Antwortmöglichkeiten (3-Punkt-Likertskala – Personal Outcomes Scale). Die Absicht hinter der Erhebung besteht nicht zuletzt in der Bewusstwerdung der individuellen Gegebenheiten durch eigene Aussprache und der Möglichkeit, durch Prioritätensetzung ein persönliches „Mehr – Anders – Neu“ für seine Qualität des Lebens zu erzeugen – wertvolle Lebenserfahrungen zu machen, Lebensfreude zu erleben, ein vernetztes Leben zu führen, die eigene Bedeutung wahrzunehmen, Selbstwirksamkeit zu erleben, etc.

Entwicklung und Hintergrund der Personal Outcomes Scale

Die Personal Outcomes Scale ist ein Produkt der Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaftler an der Universität Gent (Belgien). Zu jeder der 8 Domänen wurden zu Beginn der Entwicklung von einem internationalen Team aus Forschern, Praktikern und Menschen mit Behinderungen sowie Angehörigen Indikatoren entwickelt und getestet. Am Ende des Entwicklungsprozesses entstand der jetzt vorliegende Fragebogen mit 48 Indikatoren.[1]

Bei der Entwicklung wirkte der US-Amerikaner Robert Schalock mit, einer der renommiertesten Vertreter von Quality of Life weltweit. Er trat 2007 eine Gastprofessur an der Universität Gent an und arbeitete mit der Fachgruppe Orthopädagogik und der Stiftung Arduin in den Niederlanden an der POS. Bereits 1989 hatten Robert Schalock und Ken Keith die Arbeit an dem Instrument begonnen, wobei auch die von Miguel Angel Verdugo entwickelte „scala integral“ (2005 übersetzt) eine wesentliche Vorarbeit darstellte.

Claudia Claes trug durch ihre empirische Forschung in hohem Maße dazu bei, die POS im Jahre 2008 zu veröffentlichen.[2] Das englischsprachige sowie das niederländische Original wurden online veröffentlicht, zusammen mit einem „Manual“, welches Auskunft über das Modell, die Skalenentwicklung und Anwendungsfragen gab.

In der Folgezeit wurde die POS auch in andere Sprachen übersetzt und in verschiedenen Einrichtungen anderer Länder eingesetzt, darunter eben auch in Deutschland.

Weitere Informationen über POS international

Psychometrische Eigenschaften der POS: Zuverlässigkeit und Validität

Zuverlässigkeit bezieht sich auf die Stabilität eines Erhebungsinstrumentes und wird häufig mittels des Reliabilitätsmaßes Alpha nach Cronbach überprüft. Dieses Maß beruht auf den Korrelationen der Items einer Skala und misst die interne Konsistenz: Messen die Items einer Skala alle das gleiche?

Insgesamt ist die Zuverlässigkeit der POS – basierend auf 801 Interviews im Jahr 2012 – mit einem Wert von 0,814 als gut zu beurteilen. Bei den drei Faktoren zeichnet sich der Faktor Unabhängigkeit durch die höchste interne Konsistenz aus. Die überwiegende Zahl der acht Domänen weist mit Werten für Cronbachs alpha zwischen 0,6 und 0,7 akzeptable Ergebnisse auf.

Mit Blick auf die Validität ist festzuhalten, dass sich die 8 Domänen gut eignen, um Qualität des Lebens zu messen, denn alle haben einen signifikanten mittleren bis starken Zusammenhang mit dem Gesamtkonstrukt.  

Quality of Life – ein kurzer Anriß

Die von Robert Schalock u.a. vertretene Forschungsrichtung von Quality of Life geht, grob gesagt, davon aus, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse bezüglich Unabhängigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und Wohlbefinden haben, aber mit individuell unterschiedlichen Ausprägungen. Daher ist der Befragte immer auch der „Experte in eigener Sache“.

Die Definition von Quality of Life gemäß Robert Schalock lautet:

„I think the best definition of (individual) quality of life is a multidimensional phenomenon, composed of core domains, influenced by personal characteristics and environmental factors. These core domains are the same for al people, although they may vary individually in relative value and importance. Assessment of quality of life domains is based on culturally sensitive indicators“ (Interview Mai 2011).

Das Sozialwerk St. Georg war sehr erfreut, Prof. Robert Schalock 2012 als Hauptredner auf der Fachtagung „Ich sehe was, was Du nicht siehst und das ist? – Qualität des Lebens, Change Management und Bewusstseinswechsel“ in Gelsenkirchen begrüßen zu dürfen.

Das Menschenbild ist, auch bei Menschen mit Assistenzbedarf, dasjenige eines Bürgers mit Rechten und Pflichten, dessen Recht auf Inklusion über ein geeignetes Unterstützungssetting zu gewährleisten ist. Unabdingbar ist dabei dessen aktive Teilnahme an der Definition und Umsetzung seiner Anliegen für ein qualitätsvolles Leben. Oder griffiger gesagt: Alle Menschen wollen das Gleiche, aber nicht dasselbe.

Den Wind in den Segeln erhält ein Unterstützungsprozess, wenn zuvor eine Ergebniserwartung formuliert ist, die es gemeinsam zu erreichen gilt. Motto ist dabei: „Von rechts nach links denken“.

Weiteres Charakteristikum dieser Schule ist die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung in der sozialen Arbeit. Die Anwendung der POS setzt frische Impulse im Denken und Handeln und bedeutet in diesem Sinne

  • den Beginn der Arbeit mit den konkreten POS-Ergebnissen,
  • die Beachtung der Erwartungshaltung und positive Energien der Befragten,
  • einen Diskurs über die Möglichkeiten der eigenen Organisation in einem sozialen Umfeld.

Vor dem Hintergrund dieser grundlegenden Fragestellungen wird – und das ist in der unternehmensinternen Diskussion nicht zu vernachlässigen – somit Change in Gang gesetzt.

Einführung der POS im Sozialwerk St. Georg e.V.

Das Sozialwerk St. Georg hat die Impulse und Möglichkeiten der Quality of Life-Denkrichtung dazu genutzt, das bisherige Fundament des personzentrierten Ansatzes weiterzuentwickeln. Die Personal Outcomes Scale ist heute eingebettet in das Assistenzkonzept des Sozialwerks St. Georg für Menschen mit Behinderung, das den Namen Qualität des Lebens trägt. Tragende Elemente sind zusammengefasst die Zukunftskonferenz, die Zukunftsplanung, die Reflexion des Umsetzungsprozesses und eben die POS-Interviews zur Qualität des Lebens. Befragt werden auf freiwilliger Basis Menschen mit Behinderungen, die über das Interview mit der POS einen Selbstbericht abgeben – mit einer eigenen, subjektiven Bewertung und der Möglichkeit zu ergänzenden Kommentaren. Damit wird, anders als bei einer Kundenbefragung, der Erfolg des Prozesses für das Leben des befragten Menschen gemessen.

Hintergrund der Einführung der POS ist ein zwischen dem Sozialwerk St. Georg und der Stichting Arduin (NL) geschlossenes Agreement aus dem Jahr 2012. Dieses gibt dem Sozialwerk St. Georg insbesondere die Erlaubnis, die POS anzuwenden, wobei sie – wichtig – nur von geschulten Interviewern abgenommen werden darf, um die Qualität der Anwendung (korrekte Durchführung, Scoring, Interpretation) sicherzustellen. So wurde das POS-System im Sozialwerk in Zusammenarbeit mit der Stiftung Arduin etabliert, zunächst in Projektform 2010/2011, dann über die Schulung von POS-Interviewern und die Begleitung der Einführung der Teilhabebegleitung im Modus „World Cafe“ im Jahr 2012.

Anwendung findet zum einen die Papier-Version, die 2012 in das Deutsche übersetzt und bei BOD veröffentlicht wurde.[3] Zum anderen gibt es eine sozialwerkseigene POS-Software, die gemeinsam mit einer Softwarefirma entwickelt wurde.

Ferner wird seit einiger Zeit eine Version zur Befragung von Kindern und Jugendlichen – die POS CA – eingesetzt, zu dessen Entwicklung das Sozialwerk St. Georg einen Beitrag leisten konnte.    

Möglicher Nutzen für die Organisation

Das System kann für den Anwender Nutzen unterschiedlicher Art erzeugen. Die wesentlichen Vorteile sind:

  • Informationen für das Top-Management
    über die Darstellung des Standes und der Entwicklung der Aspekte von Qualität des Lebens, z.B. in Form von Mittelwert, Standardabweichung, Spannweite etc., in Geschäftsbereichen, bei Klientengruppen (Stichwort „Leistungstypen“) oder bezogen auf weitere Kennzahlen
  • Informationen über Entwicklungen innerhalb der Organisation
    über die Herausarbeitung des Standes und der Entwicklung in Standorten oder weitere Controlling-Informationen, die für ein Benchmarking und Forschungsvorhaben nutzbar sind 
  • Informationen zu Effektivität und Effizienz von Organisationen
    über den Abschluss von Zielvereinbarungen mit Leitungskräften im Rahmen des Einsatzes einer Balanced Score Card
  • Steuerungsrelevante Informationen
    über einen zahlen-, daten- und faktenorientierten Dienstleistungsprozess ist es möglich, sich konkretere Fragen zur fachlichen Güte einer Organisation zu stellen
  • Reputation – Image – Impulse
    getragen durch das gute Feedback der Klient/innen bei der Einführung und Konsolidierung ergibt sich eine Erwartungshaltung, aber auch positive Ausstrahlung und Außenwirkung

Für Informationen zur Nutzung der POS im Sozialwerk oder Einsatzmöglichkeiten der POS in Ihrer Organisation wenden Sie sich bitte an Frank Löbler (Master Trainer POS), Ressort Qualität, Sozialwerk St. Georg e.V.
(Kontaktkasten siehe Randspalte rechts oben)

Gelsenkirchen, im Oktober 2014

Literatur:

[1] Claes / van Hove / van Loon / Vandevelde / Schalock 2009: Quality of Life Measurements in the Field of Intellectual Disabilities, In: Social Indicators Research, Volume 98, Issue 1, S. 61-72.

[2] van Loon / van Hove / Schalock / Claes 2008: Personal Outcomes Scale: A Scale to Assess an Individual’s Quality of Life. Middelburg, The Netherlands, Stichting Arduin and Gent, Belgium: University of Gent.

[3] van Loon / Bernshausen / Löbler / Buchenau 2012: POS Personal Outcomes Scale. Individuelle Qualität des Lebens. BOD.

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Kontakt

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Frank Löbler
Ressortleiter Qualität/
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