Sozialwerk St. Georg

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„Das war gar nicht so einfach“

Detlef Heckmann musste in seinem Leben viel einstecken. Seit 1996 ist er Klient des Sozialwerks St. Georg und blickt auf eine bewegte Zeit zurück.

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Detlef Heckmann ist ein bescheidener Mensch. Jemand, der schon viel erlebt hat, dessen Leben mehr Tiefen als Höhen hatte und der trotzdem die kleinen Freuden des Lebens zu schätzen weiß. Seit 1996 ist der 50-Jährige Klient des Sozialwerks St. Georg. In dieser Zeit arbeitete und lebte er drei Jahre in Ascheberg, bevor er ein Zimmer in einer WG in Dülmen bezog. Seitdem arbeitet er in der „HID“ (Handwerk- und Industrie-Dienstleistungen) – einer Firma, die Menschen mit psychischen Behinderungen einen Teilhabe durch Arbeit und Beschäftigung – ein Leitbegriff im Sozialwerk St. Georg
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Beschäftigung
splatz bietet. 

Detlef Heckmann ist ein Mann der Tat, für den es wichtig ist, eine Arbeit zu haben und für sich selbst sorgen zu können, denn Selbstständigkeit musste er schon früh lernen. Geboren wurde er 1962 in Unna, wo er bei seinen Großeltern aufwuchs, zu denen er eine enge Verbindung hatte. Seine leiblichen Eltern gaben die Verantwortung für ihr Kind früh ab: „Meine Mutter, die hat mir die Tür vor der Nase zugehauen, die wollte nichts mehr von mir wissen. Meinen Vater hab ich gar nicht richtig kennengelernt, da wurde nur damals gesagt, der und der ist dein Erzeuger. Da mussten sie extra so einen Vaterschaftstest machen, um das rauszukriegen – das war gar nicht so einfach“, erinnert sich Heckmann an seine Kindheit. „Meine Großeltern waren immer wie richtige Eltern für mich. Sie haben auch dafür gesorgt, dass das Stottern wegging. Nur wenn ich ab und zu versuche zu schnell zu sprechen, dann stottere ich noch. Aber sonst merkt man das kaum.“ 

Nachdem er von der Hauptschule abgegangen war, machte Detlef Heckmann ein Berufsvorbereitungsjahr in Essen, wodurch er einen Job beim Stahlwerk Ergste Westig in Unna fand. „Da hab ich mehrere Jahre gearbeitet, bis die Stahlkrise kam. Danach hab ich erstmal in Unna bei verschiedenen Firmen gearbeitet. Paketdienst, Medikamentenindustrie am Förderband. Dann hab ich ABM-Stellen gehabt bei der Stadt. Bei der Möbelrenovierung und Möbeltransporten hab ich geholfen. So was hab ich alles gemacht.“

Tod der Großeltern
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Als er Anfang 20 war, verstarben sein Großvater und kurze Zeit später seine Großmutter. Detlef Heckmann war zum ersten Mal auf sich selbst gestellt und entschied, die gemeinsame Wohnung der Großeltern zu übernehmen. Doch die plötzliche Leere und die Einsamkeit der großen Wohnung waren ein Problem für ihn: „Da ist mir dann die Decke auf den Kopf gefallen“. Detlef Heckmann lernt einen Mann kennen, den er aus Hilfsbereitschaft bei sich wohnen lässt. Zuerst läuft alles gut, doch immer mehr wird deutlich, dass sein Bekannter gewalttätig ist. „Nachher stellte sich raus: Das war ein Raufbold, der Einen gerne verhauen hat. Und immer Schnaps trank. Mehrere Wochen hab ich im Krankenhaus verbracht, das ging immer eine Weile gut, dann kam ich nach Hause, dann hat er mich wieder verdroschen. Zuletzt musste ich ins Krankenhaus in Unna, da haben sie mich wieder zusammen geflickt und alles zusammen genäht, den Kopf genäht, die Nase gerichtet, dass ich wieder auf die Beine kam.“ Irgendwann, so schildert es Heckmann, hatte sein Martyrium ein Ende: „Als sie den richtig verhaftet haben. Die ganze Sache kam dann vor Gericht und er ist verurteilt worden. Aber nicht nur wegen mir. Der hatte auch noch andere Delikte verbrochen. Einbruch und Diebstahl und er hat auch Frauen belästigt. Das war ein übler Kerl, das sah man ihm am Anfang nicht an – ich wusste es nicht.“

Albträume

Detlef Heckmann fiel in eine Depressive Störungen sind eine Form der psychischen Erkrankungen, oft durch wiederkehrende Niedergeschlagenheit gekennzeichnet
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Depression
und konnte nicht mehr arbeiten. In nächtlichen Albträumen arbeitete er das Geschehene immer wieder auf. Tabletten halfen anfangs gegen die Angst, doch irgendwann kam er nicht mehr von ihnen los. „Ich war dann nachher abhängig. Nahm Tabletten zum Schlafen, Tabletten zum Wachwerden, Tabletten zur Beruhigung, und und und. Ich hatte eine ganze Batterie Tabletten. Da brauchte ich nur zum Arzt gehen, dem sagen: Ich brauche mal Schlafmittel, ich brauche Hallo-Wach-Pillen, ich brauche Beruhigungspillen, ich brauche Kopfschmerzpillen. Der hat immer sofort was aufgeschrieben.“ 

Eine mehrmonatige Entziehungskur in Hamm hat Detlef Heckmann letztendlich das Leben gerettet. In langsamen Schritten lernte er, auf die Tabletten zu verzichten und zurück ins Leben zu finden. In dieser Zeit wurde ihm auch ein gesetzlicher Betreuer zur Seite gestellt, der sich fortan um ihn kümmerte. 

Detlef Heckmann kehrte in seine Wohnung zurück, doch bald kam die Einsamkeit wieder. Eine Als Persönlichkeitsstörungen werden Psychische Störungen bezeichnet, die verschiedene überdauernde Erlebens- und Verhaltensmuster mit Beginn in der Kindheit und Jugend beschreiben.
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Persönlichkeitsstörung
wurde diagnostiziert, es war klar, dass es so nicht weiter ging. Sein Betreuer und er beschlossen, einen Platz in einer WG für ihn zu finden. Eine ganze Weile lebte er dann in einem Haus des Ambulant betreuten Wohnens in Unna, bevor er 1996 nach Ascheberg in eine WG des Sozialwerks St. Georg zog. Dort hatte er die Möglichkeit, wieder einer Arbeit nachzugehen und sein eigenes Geld zu verdienen: „In Ascheberg, wo ich gewohnt hab, da bin ich immer mit dem Bus nach Nordkirchen gefahren. Am Anfang hab ich auf dem Bauernhof gearbeitet, später dann bei der Caritas. Ich war da als Gärtner tätig, bin mit den anderen raus und bin Aufsitzmäher und so was gefahren."

Job bei der HID
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1999 wurde dann ein Einzelzimmer in einer WG in Dülmen frei. Detlef Heckmann zog um und begann den Job bei der HID, wo er seitdem in Vollzeit arbeitet und in der Montage beschäftigt ist. Mit seinem Arbeitskollegen Markus trifft er sich auch in seiner Freizeit: „Mit dem verstehe ich mich blendend. Der ist ein Ruhiger, der trinkt nicht. Der ist kein Raufbold. Und wenn er sagt, er kommt, kann man sicher sein, dass er kommt, und sonst ruft er mit seinem Handy an.“ 

Detlef Heckmann ist zufrieden mit sich und seinem Leben. Wenn er von der Arbeit kommt, schaut er einen Film an oder hört Musik. Er kümmere sich gern um andere, sagt er: „Die Maria wohnt auch hier unten in der Etage, die kann nicht so gut laufen. Wenn die schwere Taschen hat, die trage ich ihr hoch bis vor die Eingangstür.“ In der WG organisiere er hin und wieder Kugelschreiber, Kalender und Blocks für seine Mitbewohner: „Dinge halt, die man immer brauchen kann.“

Zwei Wünsche hat Detlef Heckmann für seine Zukunft: irgendwann wieder in eine eigene Wohnung ziehen – und eine feste Freundin finden. „Sie sollte aufgeschlossen sein, tolerant, eben so offen, wie ich es bin“, sagt er.

 

Autor: Simon-Moritz Westen