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You never walk alone: BVB-Fan Friedhelm K. geht nicht allein durchs Leben

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Wenn die Dortmunder Borussia spielt, ist Friedhelm K. glücklich. Im Stadion, wo 80.000 Kehlen „You never walk alone“ singen, lässt er seinen Gefühlen freien Lauf. Er jubelt, feiert, schimpft und unterstützt mit einer Clique im Fanclub seinen BVB. Nach dem Abpfiff aber braucht auch Friedhelm K. Hilfe. Seit einer im zweiten Lebensjahr erlittenen Hirnhautentzündung ist der heute 52-Jährige geistig behindert. Als Familiengast lebt er jetzt im Haushalt seiner Schwester.

 

Friedhelm K. wurde am 3. Februar 1957 in Oberhausen/Sterkrade geboren. Zu seiner Familie zählen noch drei Brüder und die jüngere Schwester Klaudia L. Die aufgrund der Behinderung notwendigen täglichen Unterstützungsleistungen bedeuteten für die Familie ein besondere Herausforderung. Auf Grund seiner geistigen und körperlichen Einschränkung besuchte Friedhelm K. von 1964 bis 1968 die Landesgehörlosenschule in Essen (Internatunterbringung), danach ging er von 1972 bis 1975 auf die Ersatzsonderschule nach Warburg. Seit 1975 arbeitet er in einer von der Caritas geführten Werkstatt für behinderte Menschen in Arnsberg.

Friedhelm K. wurde liebevoll im Haushalt seiner Eltern umsorgt. Hier fand er eine sichere und stabile Umgebung vor. Im Februar 2003 verstarb plötzlich seine Mutter. Es zeichnete sich bereits ab, dass der Vater ebenfalls bei keiner guten gesundheitlichen Verfassung war und er sich zunehmend um die Weiterversorgung des behinderten Sohnes sorgte. Friedhelm K.'s Geschwister versprachen noch am Krankenbett des Vaters sich um Friedhelm zu kümmern. Friedhelms Schwester und ihr Ehemann gaben dem todkranken Vater das Versprechen, Friedhelm K. nicht alleine zu lassen. Bereits Ende 2006 informierte sich Friedhelm K.'s Schwager Siggi L. bezüglich des Angebots des Betreuten Wohnens in Gastfamilien/ Familienpflege beim Familienpflegeteam des Sozialwerkes in Ense-Bremen. Er war seit vielen Jahren beim Sozialwerk tätig und hatte erfahren, dass es ein interessantes Wohnangebot beim Sozialwerk St. Georg gibt, welches, so hoffte er, auch in diesem Fall greifen könnte.

Im Frühjahr 2007 verstarb Friedhelm K.'s Vater. Nach vorheriger sorgfältiger Vorbereitung stand nun fest, dass Friedhelm K. in den Haushalt der Schwester wechseln würde. Diesen Wunsch hegte auch Friedhelm und freute sich auf sein neues Zuhause bei seiner Schwester und der gesamten Familie. Friedhelm K. wäre nicht im Stande gewesen, allein für sich zu sorgen. Eine Heimaufnahme Friedhelm K.'s, die ansonsten unausweichlich gewesen wäre, stand nun nicht mehr zur Debatte.

Nach einem Hausbesuch durch das Familienpflegeteam und der Prüfung des Wohnraumangebotes sowie der Bearbeitung eines detaillierten Fragebogens und der telefonischen Rücksprache mit dem Kostenträger konnte ein Umzugstermin festgelegt werden. Der Umzug in die Familienpflege erfolgte dann am 13. März 2007. Da Friedhelm K. einen eigenen Wohnbereich erhalten sollte, baute Schwager Siggi L. in dreimonatiger Arbeit das Untergeschoss um und schuf eine großzügige Wohnfläche mit eigenem Bad für Friedhelm K.

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In regelmäßigen Abständen besucht das Familienpflegeteam die Gastfamilie und den Familiengast Friedhelm. Das Team besucht, betreut und unterstützt sowohl die Gastfamilie als auch den Familiengast in allen Belangen. Es werden Ausflüge durchgeführt und die Familie nimmt Friedhelm mit in den Urlaub. „Das wichtigste ist, dass Friedhelm sich bei uns wohl fühlt“, sagt Schwester Klaudia. Sie geht auf ihn ein und weiß, was ihr Bruder mag: Spielfilme, Autorennen im Fernsehen – und natürlich Fußball.

Sein Zimmer ist mit den Vereinsfarben gelb und schwarz dekoriert und eingerichtet – ein Stück Südkurve für zu Hause. Von der Bettwäsche über Handtücher bis zu der Fahne an der Wand ist fast alles in den bekannten „Dortmundfarben“ eingerichtet. Schwester Klaudia und Schwager Siggi sind übrigens Schalke-Fans (!). Aber kein Problem: „You never walk alone“ – Friedhelm geht nicht allein durchs Leben.

Margarida Haselhorst,
September 2009