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(Über-)Lebenskunst

Hartmut Sch. gewinnt Lebensmut und Energie im Wohnheim Kontrapunkt zurück

hartmut

Auf Anraten eines Sozialarbeiters der Klinik wendet sich Hartmut Sch., der zu diesem Zeitpunkt 49 Jahre alt ist, im Sommer 2008 an das Wohnheim Kontrapunkt in Unna-Königsborn. Hartmut Sch. hört zeitweilig Stimmen, die große Angst auslösen. Oft hat er keinen Schwung aufzustehen und Kontakt zu anderen Leuten aufzunehmen. Seine Gedanken drehen sich häufig im Kreis, besonders weil er viel Zeit alleine verbringt. Er hat manchmal Sehnsucht, zu sterben. Außerdem konsumiert er verschiedene Drogen, um kurzfristig entspannt und glücklich zu sein. Ein Jahr nach seinem Einzug ins Wohnheim hat sich der Zustand von Hartmut Sch. deutlich verbessert. Er beschäftigt sich zusammen mit anderen aktiv und kreativ, hat Kontakte zu Mitbewohnern aufgebaut und ist frisch verliebt. Schon über mehrere Monate hat er es geschafft, drogenfrei seinen Alltag zu bewältigen.

Leben lernen

Nach Drogenkonsum war Hartmut Sch. im April 2008 in seiner Wohnung bewusstlos vornüber gekippt und hatte über 30 Stunden in dieser Position verharrt, was zum Absterben eines Beines führte. Zum Glück wurde er noch rechtzeitig gefunden, so dass sein Leben gerettet werden konnte und er seine Beine behielt. Seine geheime Hoffnung, zusammen mit Jesus im Himmel die Welt zu retten, hatte sich damit nicht erfüllt. Hartmut konnte nicht in seine Wohnung zurückkehren, weil die Gefahr zu groß schien, dass sich ein solcher Vorfall wiederholten könnte.

Nicht zum ersten Mal in seinem Leben zog Hartmut Sch. im Juli 2008 in ein Heim, nun in das Wohnheim Kontrapunkt Unna. Sofort nach dem Einzug stellte er seine Mitbewohner und auch die Mitarbeiter der Einrichtung mehrfach auf die Probe. Oft fand er, sehr ideenreich, viele Gründe dafür um zu erklären, warum er z.B. morgens nicht aufstehen, nicht für sich einkaufen, Arztkontakte nicht einhalten oder sein Zimmer nicht aufräumen könne. Hin und wieder wollte er keine Medikamente mehr einnehmen. Er litt an Ängsten durch Stimmen, die nur er hören konnte und wollte sich töten. Auch Rückfälle in Drogenkonsum kamen vor.

Mit großer Verwunderung erlebte Hartmut Sch., dass zu ihm Kontakt gehalten wurde, was immer er auch tat. Entgegen seinen bisherigen Erfahrungen spürte er, dass er nicht ausgeschlossen wurde. Alle Ereignisse wurden mit ihm zusammen besprochen, verhandelt und gemeinsam wurden Lösungen überlegt, entwickelt und ausprobiert.

Heute hat sich die Lebenssituation von Hartmut Sch. deutlich verbessert. Er kann leichter auf andere zugehen und Freundschaften pflegen. Er hat Spaß daran, sich schick zu kleiden und gut auszusehen. Im Frühjahr 2009 fand er in einer Mitbewohnerin eine neue Liebe. Schon länger hat Hartmut Sch. nicht mehr über die Sehnsucht zu sterben berichtet, sondern entwickelt stattdessen Pläne für die Zukunft, die er so gesund wie möglich erleben will. Bezüglich seiner Suchterkrankung ist inzwischen eine Substitutionsbehandlung in der Einrichtung ermöglicht, was seit mehreren Monaten zu einer Freiheit von Rückfällen geführt hat.

Autorin: Kerstin Schrader
Wohnheim Kontrapunkt Unna, Sozialwerk St. Georg Westfalen-Nord gGmbH