Sozialwerk St. Georg

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Die Wende geschafft

Andreas Becker (33) erlebt in der SozialWerkStatt des Sozialwerks den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben auf die ganz besondere Art.

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Nicht nur wie hier im Garten der SozialWerkStatt bringt Andreas Becker sein Gartenbauwissen in die Arbeit mit Beschäftigten ein.
Ein normaler Mitarbeiter

Andreas Becker ist Mitarbeiter in der SozialWerkStatt in Bad Laasphe – Feudingen. Im Rahmen von seinen 25 Wochen / Stunden ist er im Montage – Bereich tätig. Besonderes Hauptaugenmerk seiner Tätigkeit liegt jedoch darauf mit Beschäftigten den Garten der SozialWerkstatt zu pflegen, die Grünanlage der Dorfkirche in Ordnung zu halten, im Auftrag von Kunden Bäume zu fällen und andere Gartenarbeiten durchzuführen, das anfallende Holz zu verwerten und aktuell im Auftrag von Bauen und Wohnen das Gelände des ehemaligen Haus 32 in Bad Laasphe wieder in einen annehmbaren Zustand zu bringen. Was Herrn Becker dazu qualifiziert sind seine Ausbildungen zum Straßenwärter und zum staatlich geprüften Techniker für den Baubetrieb. Soweit also ein normaler, fachlich spezialisierter Mitarbeiter im Tagestättenbereich.

Nie mehr erster Arbeitsmarkt?

Das sah im April 2005 jedoch noch ganz anders aus. Da war Herr Becker in einer Reha – Klinik in Langensteinbach und ein Therapeut hatte ihm gerade eröffnet, dass er wohl nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt werde arbeiten können. Wie war es dazu gekommen? Herr Becker arbeitete im Herbst 2002 bei einer Baufirma. Als seine psychische Erkrankung zum ersten mal auftrat. Der Hausarzt stellte eine entsprechende Vermutung auf und verschrieb ein Medikament, das Herr Becker nicht vertrug und es daher auch nicht weiter nahm. Was folgte war eine Verschlechterung des Zustandes und der Verlust des Arbeitsplatzes. Die Erkrankung besserte sich im Laufe der Zeit dann scheinbar von alleine, sodass Herr Becker in 2004 eine neue Arbeit antrat, als Mitarbeiter in einer WfBM. Da merkte er jedoch schon, dass sich sein Zustand wieder verschlechterte, an eine psychische Erkrankung dachte er dabei jedoch nicht mehr. Schließlich kam es zu Schwierigkeiten und dem erneuten Arbeitsplatzverlust. Der Zustand verschlimmerte sich schließlich so sehr, dass Herr Becker sich von einem psychiatrischen Facharzt in die Uni Klinik Marburg einweisen ließ.

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Der Wendepunkt durch gewünschte Einweisung

Wie Herr Becker heute sagt, war das der Wendepunkt. Er wurde nicht nur auf eine geeignete Medikation eingestellt sondern traf vor allem auf eine, wie er selber sagt „sehr gute Sozialarbeiterin“. Diese führte viele Gespräche mit ihm und vermittelte ihn in besagte Reha-Klinik in Langensteinbach, die spezialisiert ist auf Anamnese und Rehabilitation im Bereich Arbeitsfähigeit. Sie sorgte auch dafür, dass die Aufnahme dort fast unmittelbar auf die Entlassung aus der Uniklinik erfolgte. In der Zeit der Reha wurde dann ein Antrag auf EU – Rente gestellt, der bewilligt wurde. Auch für die Zeit nach der Reha hatte Herr Becker mit Hilfe der Sozialarbeiterin gesorgt. So wurde die ambulante Betreuung in der noch vorhandenen eigenen Wohnung von Herrn Becker durch das Ambulant – Betreute – Wohnen des Sozialwerks in Bad Laasphe gesichert. Herr Becker wurde bei der Freizeitgestaltung und bei Amtsgeschäften unterstützt.

Zum ersten mal für das Sozialwerk tätig

Als Herr Becker dann durch den Mitarbeiter des BeWo um Hilfe beim Umzug der KuB in Bad Laasphe gebeten wurde, wurde er zum ersten mal für das Sozialwerk tätig. Es folgten Besuche in der KuB, Teilnahme an den Angeboten und Übernahme von Diensten dort, die sich in Zahl und Umfang immer weiter vermehrten. Als die EU – Rente auslief, musste Herr Becker Anfang 2008 noch einmal in die Reha – Klinik nach Langensteinbach. Dort wurde ihm bescheinigt, dass er bis zu sechs Stunden täglich arbeitsfähig sei. Scheinbar eine gute Nachricht. Jedoch hatte es zur Folge, dass ohne weiteren Hinweis die Rente gestrichen wurde und Herr Becker beim Arbeitsamt vorstellig werden musste.

Zunächst auf 400 € - Basis beschäftigt

Im Rahmen der SozialWerkStatt erhielt Herr Becker dann die Möglichkeit zu einer geringfügigen Beschäftigung. Der Auftrag bestand zunächst darin, den Garten dort in Ordnung zu halten und zu bewirtschaften. Herr Becker, der neben seiner Ausbildung auch Hobbygärtner ist, konnte hier seine Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen und sich erproben. Das passte! Auch als Herr Becker im November 2008 mit dem Gedanken spielte seine Arbeitszeit zu erhöhen passte es. In Zusammenarbeit mit dem Rentenversicherungsträger wurde ein Antrag auf entsprechenden Zuschuss zu den Lohnkosten beantragt. Herr Becker erhielt eine 19,50 Stunden - Stelle. Damit verbunden war eine Einbindung in das Mitarbeiter – Team des Montagebereichs und eine Erweiterung seines Arbeitsspektrums auf Auftragsarbeiten mit Beschäftigten im Garten- und Landschaftsbereich. Und im Mai 2009 passte es wieder mit dem Wunsch von Herrn Becker und der SozialWerkStatt nach einer weiteren Stundenerhöhung. Seit dem arbeitet er im Rahmen von 25 Stunden / Woche. Seit Juni 2009 wird Herr Becker nicht mehr vom BeWo betreut, weil es nicht mehr notwendig ist.

In Zukunft auch Bezugsbetreuungen

Herr Becker erzählt mit einem Schmunzeln: “Bei der Einweisung in den Umgang mit dem Dienstwagen für den 400 € - Job mit dem damaligen Fachleiter der SozialWerkStatt, hat mich dieser gefragt, ob ich mir denn vorstellen könnte auch als Betreuer in der SozialWerkStatt zu arbeiten. Damals habe ich mir das nicht vorstellen können und nein gesagt. Mit der Zeit habe ich aber einen anderen Blick auf die Arbeit bekommen und gemerkt, dass meine Leistungsfähigkeit mit den Anforderungen steigt.“ Aktuell ist geplant, dass Herr Becker sich auch in den Bereich Bezugsbetreuung einarbeitet und eines ist ganz klar: das Garten- und Landschaftsarbeitsangebot hätte ohne ihn so nicht verwirklicht werden können.

Autor: Tino Strackbein