Sozialwerk St. Georg

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„Hier will ich alt werden“

Josef Kleihege wohnt und arbeitet seit 14 Jahren auf dem Bauernhof Ascheberg. Allein käme er im Alltag nicht zurecht.

Josef Kleihege
Josef Kleihege kümmert sich hauptsächlich um die Versorgung der Schweine. (Foto: Kiepe)

Josef Kleihege ist glücklich auf dem Bauernhof Ascheberg. „Hier will ich alt werden“, sagt er bestimmt. Seit 14 Jahren lebt und arbeitet der 56-Jährige auf dem Hof, der vom Sozialwerk St. Georg getragen wird. »Als ich von zu Hause weg musste, hat mein Betreuer gesagt: ›Der kommt vom Bauernhof, der gehört auch auf den Bauernhof.‹“ 
Groß geworden ist Kleihege, der lernbehindert ist, auf dem Hof seiner Eltern in der Bauernschaft Netteberge bei Selm. Als die Eltern starben, gab es keine Betreuung mehr für ihn. „Allein wohnen könnte ich nicht. Ich bin froh, dass ich hier bin“, erzählt er. Auf dem elterlichen Hof lebe noch seine Schwester, die er ab und zu für einige Stunden besuche.
Sein Alltag ist strukturiert. Um 6 Uhr steht Kleihege auf, und um 22 Uhr geht er ins Bett. „Wenn montags die Schweine abgeholt werden, dann muss ich noch früher aufstehen“, verrät er. Dieser strukturierte Alltag ist ihm wichtig. Der gebürtige Selmer ist vornehmlich für die Versorgung der 100 Schweine zuständig. Andere Bewohner kümmern sich um weitere Tiere wie Emus, Nandus, Hühner und Pferde. 
Weitere Klienten arbeiten auf dem Bauernhof in den Grünanlagen. „Das wäre nichts für mich. Mit Pflanzen habe ich es nicht so“, gibt er zu. „Doch Arbeit gibt es hier genug. Langeweile kommt nicht auf“, sagt er weiter. Zudem hätten sich zahlreiche Freundschaften unter den Bewohnern in den Jahren entwickelt.
Kleihege genießt den Hof und die ländliche Umgebung. Das Leben in der Stadt wäre nichts für ihn. Wenn er Feierabend hat, geht er oft spazieren oder schaut Fernsehen. Die Mahlzeiten werden gemeinsam in der großen Diele eingenommen. Die Atmosphäre erinnert an das Leben in der bäuerlichen Großfamilie. „Man ist sehr zufrieden mit mir. Ich bekomme gute Medikamente und gehe jedem Streit aus dem Weg“, sagt er nicht ohne Stolz. Auch seine regelmäßigen Arztbesuche in Waltrop bewältigt er allein. 
Seit zehn Jahren bewohnt Kleihege ein großes Einzelzimmer. „Und wenn sonntags meine Tür geschlossen ist, dann stört mich keiner. Jeder weiß, dass ich mir den Gottesdienst im Fernsehen anschaue“, berichtet er. Der Glaube  ist ihm wichtig. „Das Beten hilft mir in schwierigen Momenten“, betont er. So beteiligt er sich an der Vorbereitung verschiedener Feste auf dem Hof wie Erntedank, Nikolaus und Weihnachten.

Michaela Kiepe | Kirche+Leben