Sozialwerk St. Georg

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Zwang bestimmt das Leben

Erkrankter plant Selbsthilfegruppe für weitere Betroffene

Orion de Sousa
Orion de Sousa im Garten des Wohnheime erbringen vielfältige individuelle Hilfen in den Lebensbereichen Wohnen und Tagesstrukturierung
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Wohnheim
s in Bestwig. Die Zwangsneurose begleitet ihn seit der Jugend. Foto: B. Theis

Er wirkt müde und gerädert, ihm tut alles weh. Hinter Orion de Sousa liegt eine schlaflose Nacht. Es ist wie immer nach einer Krise. Der 44-Jährige leidet an einer Zwangsneurose und dazu beklemmenden Fantasien. Durch die Gründung einer Gruppe möchte er aktiv etwas gegen diese Situation unternehmen und auch anderen Betroffenen aus der Region Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Bei Orion de Sousa fing alles harmlos an: „In meiner Jugend mit etwa 14 Jahren hatte ich immer das Gefühl, schmutzige Hände zu haben und auch sonst an meinem Körper verunreinigt zu sein“, erzählt er. Daraus resultierte ein Waschzwang. 30 bis 40 Mal täglich Händewaschen waren für ihn normal. Vor etwa neun Jahren, de Sousa war 35 Jahre alt, hatten ihn die Zwänge völlig eingenommen. Erstmals begab er sich in psychiatrische Behandlung, wo die Zwangsneurose als Erkrankung diagnostiziert wurde. Die Zwänge hat er durch ein wirksames Medikament mittlerweile weitestgehend im Griff, die damit einhergehenden Fantasien belasten ihn hingegen schwer.
Anschaulich schildert de Sousa ein typisches Szenario: „Wenn ich auf ein Hindernis zusteuere, überlege ich, ob ich rechts der links vorbeigehen soll. Mich treibt die Angst, dass ich mich für die falsche Seite entscheide und etwas Schlimmes passiert.“ Er braucht dann die Gewissheit, dass alles gut ist. Hat er die nicht, gehen Selbstmord- und Selbstverletzungsgedanken bei ihm einher mit völliger Verzweiflung. Seine Vorstellungen wurden immer abstruser - und damit auch die Auswirkungen: „In meinen Krisen kann ich weder liegen noch sitzen. Nächtelang stehe ich teilweise an einer Stelle in einem total verkrampften Zustand, in dem meine Phantasien mich lähmen.“
Einmal, erzählt de Sousa, hat er in einer so ungünstigen Position gestanden, dass die Blutzufuhr in seinem Bein unterbrochen war. Der Zustand hielt so lange an, dass der Streckmuskel am Schienbein abgestorben ist und später entfernt werden musste. Früher hat der gebürtige Dortmunder versucht, die Zwangsneurose mit Drogen und Alkohol erträglich zu gestalten. „Es war so etwas wie meine Medizin“, sagt er. Daraus entwickelte sich eine Sucht, von der er sich erst nach 16 Entgiftungen befreien konnte. Um „clean“ zu bleiben brauchte de Sousa ein neues Lebensumfeld, dass er im Sauerland fand, wo er Kontakt zum Sozialwerk St. Georg knüpfte. Heute nimmt er am internen Teilhabe durch Arbeit und Beschäftigung – ein Leitbegriff im Sozialwerk St. Georg
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Beschäftigung
sangebot der Kabea (Kontakt- und Beratungsstelle Das ambulant Betreute Wohnen ist ein Kernelement sozial integrierender Versorgung.
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Ambulant betreutes Wohnen
und Teilhabe durch Arbeit und Beschäftigung – ein Leitbegriff im Sozialwerk St. Georg
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Beschäftigung
und Arbeit)in Meschede - einer Einrichtung des Sozialwerk St. Georg - teil und lebt im stationär, betreuten Wohnen der Einrichtung in Bestwig. Seit ihn die Zwänge vor etwa zehn Jahren total eingenommen haben, ist der gelernte Maschinenschlosser arbeitsunfähig. Mittlerweile fühlt er sich aber wieder in der Lage, eine Teilhabe durch Arbeit und Beschäftigung – ein Leitbegriff im Sozialwerk St. Georg
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etwa auf 400 Euro-Basis einzugehen. „Regale einräumen“, sagt de Sousa, könne er sich gut vorstellen.
Und er hat weitere Ziele: die Gründung einer Selbsthilfegruppe für Menschen, die ebenfalls unter einer Zwangsstörung leiden. „Zusammen kommen und über die Situation mit Menschen sprechen, die gleiche oder ähnliche Erfahrungen gesammelt haben“, so stellt sich de Sousa die Treffen vor, die einmal wöchentlich im Wohnheime erbringen vielfältige individuelle Hilfen in den Lebensbereichen Wohnen und Tagesstrukturierung
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von St. Georg in Bestwig stattfinden sollen.

Björn Theis | Sauerlandkurier