Sozialwerk St. Georg

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"Ich will etwas zurückgeben"

Seine Warmherzigkeit und sein vielfältiges Engagement machen Rudolf Hauska für viele Menschen im Sozialwerk unentbehrlich 

 

Hauska

Er ist ein Mann mit einem großen Herzen – und vielleicht ist dies der Grund für seine besondere Anziehungskraft, die er auf andere ausübt: Wenn Rudolf Hauska bei einem Fest oder einer Veranstaltung des Sozialwerks St. Georg eintrifft, scheint es oft so, als hätten alle auf ihn gewartet. „Ja, ich bin im Sozialwerk schon recht bekannt“, sagt der 69-Jährige bescheiden. „Ich mische in vielen Bereichen mit.“ 

Was der Klient als „Mitmischen“ bezeichnet, ist in Wirklichkeit ein soziales Engagement, das seinesgleichen sucht und das sich auf ganz verschiedene Bereiche erstreckt. Wie herausragend dieses ist, offenbarte jüngst auch der Verwaltungsrat, der entschied, Rudolf Hauska als erstem Klienten des Sozialwerks die Ehrennadel und damit die höchste Auszeichnung des Unternehmens zu verleihen. 

Und so erlebten Mitarbeitende sowie Klientinnen und Klienten in der voll besetzten St.-Anna-Kirche in Gelsenkirchen, wie der Verwaltungsratsvorsitzende Christoph Buchbender am 23. April 2013 nach dem Gottesdienst zum Patronatstag einem sichtlich nervösen Rudolf Hauska die Ehrennadel ans Jackett heftete (Mehr zum Patronatsgottesdienst erfahren Sie auf S….). „Seit Ihrem Eintritt ins Sozialwerk St. Georg haben Ihre Mitmenschen bei Ihnen Unterstützung gefunden“, sagte Buchbender in seiner Laudatio. „Ihr Engagement ist aufgrund Ihres privaten Hintergrunds, verbunden mit einem nicht einfachen Leben, umso höher zu bewerten.“

Schwierige Zeiten

Tatsächlich erschien es für den „trockenen Alkoholiker“ zunächst so, als wäre seine Zeit im Sozialwerk St. Georg alles andere als erfolgreich. „Als ich hierhin kam, hatte ich zwar bereits einen Entzug hinter mir – getrunken habe ich aber dennoch“, so Hauska. „Dies war eine sehr schlimme Zeit, in der einfach nichts mehr ging – nicht mehr ohne Alkohol und zum Schluss auch nicht mehr mit Alkohol.“ Dass er den Absprung zehn Jahre nach seinem Umzug ins Sozialwerk St. Georg dennoch schaffte, hat Hauska nach eigener Aussage auch einem Sozialarbeiter des sozialen Dienstleistungsunternehmens zu verdanken, der ihn zu einer Selbsthilfegruppe mitnahm. „Nach dem dritten Treffen hatte der liebe Gott mit mir ein Einsehen“, so der Ehrennadel-Träger. „Ich denke heute wirklich, dass es ein Wunder war, denn plötzlich brauchte ich keinen Alkohol mehr und konnte langsam wieder zurück ins Leben starten.“ 

Eine Möglichkeit, die Rudolf Hauska genutzt hat – für sich und für andere: „Ich weiß, dass ich dem Sozialwerk St. Georg sehr viel zu verdanken habe“, betont der ehemalige Heim-Bewohner, der 1997 die Chance auf mehr Selbstständigkeit wahrnahm und in eine Außenwohnung seiner Wohneinrichtung zog. 2007 unterschrieb er als Klient des Ambulant Betreuten Wohnens zum ersten Mal seinen eigenen Mietvertrag. „Ich  bin froh und dankbar, dass ich vom Sozialwerk in den ersten zehn Jahren nicht auf die Straße gesetzt und auch ansonsten immer unterstützt wurde.“ Daher sei es nun an ihm, etwas zurückzugeben. „Ich will nichts von dem behalten, was mir gegeben wurde“, so der Schalke-Fan. „Denn je mehr ich gebe, desto mehr bekomme ich auch wieder zurück – durch ein Lächeln, ein nettes Wort oder eine andere Geste der Verbundenheit.“ 

Gelegenheit sich für andere einzusetzen, bekam Rudolf Hauska unter anderem seit 1997 durch seinen Posten als Vorsitzender „seines“ Bewohnerinnen- und Bewohnerbeirat: Mitwirkung und Mitbestimmung der Menschen mit Behinderung
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Bewohnerbeirat
es, dem er auch nach seinem Wechsel ins Ambulant betreute Wohnen bis heute Teilhabeförderung durch ein qualifiziertes Ehrenamt – ein Leitbegriff im Sozialwerk St. Georg
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ehrenamt
lich treu bleibt. Aber auch schon zuvor hatte er stets ein offenes Ohr für die Nöte seiner Mitmenschen – und eröffnete zum Beispiel in einem Wohnheime erbringen vielfältige individuelle Hilfen in den Lebensbereichen Wohnen und Tagesstrukturierung
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Wohnheim
des Sozialwerks einen kleinen Lebensmittelkiosk, um stark beeinträchtigten Menschen die Möglichkeit zu bieten, selbstständig einzukaufen. „Bis heute setzen Sie sich engagiert für eine Lösung der verschiedenen Probleme ein“, betonte auch Christoph Buchbender nach der Verleihung der Ehrennadel. „Dabei spüren Sie Mängel auf und greifen diese, mitunter hartnäckig und vehement den Verantwortlichen gegenüber auf.“ Als ein Beispiel unter vielen nannte der Vorsitzende des Verwaltungsrates Rudi Hauskas Einsatz für den Bau einer Fußgängerampel an der Uechtingstraße. Hier ging sein Engagement sogar bis zum Oberbürgermeister von Gelsenkirchen – und brachte nach vielen Mühen den gewünschten Erfolg. 

Keine Scheu vor der Öffentlichkeit
Hauska 1204

Seine Begabung, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und seine Ziele mit Herzblut zu verfolgen, macht ihm auch zu einem ganz besonderen Mitglied der Theatergruppe „Blitzlicht“, der er seit ihrer Gründung im Jahre 1999 angehört. Seine Authentizität wird darüber hinaus von den Medien geschätzt, die ihn und seine Lebensgeschichte bereits mehrfach veröffentlichten. Mit dabei ist Rudolf Hauska zudem im ersten Film des Sozialwerks „Ja zum Leben“ aus dem Jahre 2006  sowie im ersten und aktuellen Imagefilm „Gut leben – mittendrin“, der im vergangenen Jahr zum 60-jährigem Jubiläum erschienen ist. 

Trotz dieser vielfältigen Aufgaben lässt es sich Hauska nicht nehmen, weiterhin für die Werkstätten: Einrichtungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben und zur Eingliederung in das Arbeitsleben
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Werkstatt
für Menschen mit Autismus ist die schwerste aller Entwicklungsstörungen.
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Autismus
zu arbeiten: „Ich bin seit 25 Jahren Werkstätten: Einrichtungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben und zur Eingliederung in das Arbeitsleben
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mitglied, habe aber nie direkt in der Werkstätten: Einrichtungen zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben und zur Eingliederung in das Arbeitsleben
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gearbeitet“, sagt der Klient lächelnd, der ungeachtet seines Rentenalters noch nicht ans Aufhören denkt. „Was soll ich plötzlich mehr zuhause sitzen? Ich glaube, das liegt mir nicht.“ 

Und so können Mitarbeitende und Klienten auch in Zukunft auf Rudolf Hauska zählen, wenn es darum geht, irgendwo mit anzupacken, um das Leben für alle angenehmer zu machen. 

 

Autorin: Regina Bruns, EinBlick-Redaktion