Sozialwerk St. Georg // Jahresbericht 2017

Perspektive 2018+

DIE aktuelle wie künftige Herausforderung für das Sozialwerk St. Georg wie für alle Träger der Eingliederungshilfe ist das zum Jahresbeginn 2017 in Kraft getretene Bundesteilhabegesetz (BTHG), das die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in deutsches Recht umsetzt. Daraus ergeben sich aus Sicht des Sozialwerks insbesondere die folgenden vier zentralen Handlungsfelder: erstens ein modernes Teilhaberecht, zweitens ein „Leistungsmix“ aus Assistenz und Pflege „im Gleichgewicht“, drittens die Stärkung von Arbeit und Qualifizierung und viertens die Neuordnung der Finanzierungsströme und Leistungsverhältnisse. All das wird bis Ende 2019 neu zu justieren sein, bevor Anfang 2020 die letzte Stufe des BTHG „zündet“, sprich die Reform vollständig umgesetzt sein wird.

Kurzum: Es geht beim BTHG um ein Umdenken, um einen Systemwechsel, um „Leistungen aus einer Hand“. Das Sozialwerk hat sich hier bereits seit langem fachlich, inhaltlich und organisatorisch auf den Weg gemacht (EinBlick 1/2017, S. 20: „BTHG – vier Buchstaben für mehr Teilhabe“)

Beispiel „BTHG-Briefkasten“: Weil das Bundesteilhabegesetz viele Lebensbereiche von Menschen mit Assistenzbedarf betrifft, hat das Sozialwerk 2017 eine neue Anlaufstelle eingerichtet: Klientinnen und Klienten können selbst oder mit Unterstützung der Beiräte oder Mitarbeitenden ihre Fragen zum BTHG an den „BTHG-Briefkasten“ stellen. Zum Jahresende ist dieser jetzt noch einfacher zu erreichen; auch in 2018 werden ausgewählte Fragen im EinBlick und auch online für alle Interessierten dokumentiert unter www.gemeinsam-anders-stark.de/bthg.

Beispiel „Peer-Beratung“ – ebenfalls ganz im Sinne des BTHG heißt es hier: „Betroffene beraten Betroffene“. Seit Anfang 2017 und bis Ende 2019 läuft dieses von der Aktion Mensch geförderte Pilotprojekt im Ambulant Betreuten Wohnen des Hochsauerlandkreises. Ziel ist es, eine „Beratung auf Augenhöhe“ anzubieten. Bei der Peer-Beratung werden Erfahrungen und Kenntnisse in partnerschaftlicher Weise weitergegeben; sie ist als Ergänzung zur etablierten professionellen Beratung zu sehen (EinBlick 2/2017, S. 14: „Zeit der Herausforderungen“).

Beispiel „Werkstatt der Zukunft“ (hier im Bild): Die Emscher-Werkstatt in Gelsenkirchen  veranstaltete im März 2017 anlässlich der Einführung des BTHG einen Infotag für alle Menschen, die dort arbeiten. Mehr als 500 Mitarbeitende und Beschäftigte wagten gemeinsam einen Blick in die Zukunft: „Industrie 4.0“, das „Internet der Dinge“, Roboter als Pflegekräfte? … Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus? Und was heißt das für Menschen mit Assistenzbedarf, wo werden sie künftig arbeiten und wie stellen sie sich ihren Arbeitsplatz vor? (EinBlick 2/2017, S. 18: „Über die Zukunft der Werkstatt“.)

„Auf in den Sozialraum“ wird nach der in 2018 abzuschließenden Regionalisierung des Sozialwerks und der damit einhergehenden Neuorganisation der Einrichtungen und Dienste weiterhin die Devise sein: Auch mithilfe erfolgreicher, verstärkter Quartiersarbeit können personzentrierte Entscheidungen im Sinne des BTHG, im Sinne der Menschen mit Assistenzbedarf vor Ort noch besser getroffen werden.

Thema „Arbeitgeber-Marke“: Hier lautet eine wichtige Herausforderung der Zukunft, sich als Sozialwerk als attraktiver Arbeitgeber auf dem Bewerbermarkt, der es in Zeiten des Fachkräftemangels in Teilen heute schon ist, zu behaupten. Zum Beispiel beim Thema Pflege, wo qualifiziertes Personal für die neuen bzw. noch zu gründenden Ambulanten Pflegedienste gesucht wird.

Die selbstbestimmte, gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist und bleibt auch mit Blick auf das Bundesteilhabegesetz eine wesentliche "Perspektive 2018 +". Hierbei wird zum Beispiel auch die „digitale Teilhabe“, eine wachsende Rolle spielen, sprich es Klientinnen und Klienten beispielsweise Zugang zum Internet oder Sozialen Medien zu verschaffen.

Das Beteiligen, Bemächtigen, Befähigen von Menschen mit Assistenzbedarf sowie ein entsprechend achtsamer Umgang zwischen Mitarbeiter und Klientin, zwischen Klient und Mitarbeiterin bleibt zentrale Aufgabe für das Sozialwerk St. Georg. Darum heißt unsere neue Initiative für 2018: „Gemeinsam. Gewaltfrei. Gleichberechtigt!!“ (www.gemeinsam-gewaltfrei-gleichberechtigt.de). Mehr darüber erfahren Sie dann in 2019 im unserem nächsten Reisebericht, dem Jahresbericht 2018.