Sozialwerk St. Georg // Jahresbericht 2019

Perspektive 2020+

Bevor das Jahr 2020 richtig Fahrt aufnehmen konnte, kam es bereits im März zu einer regelrechten Vollbremsung: Das Coronavirus SARS-CoV-2 zwang die Menschen in Deutschland zu einem Lockdown mit großen Auswirkungen auf die Wirtschaft und das alltägliche Leben.

Auch das Sozialwerk war und ist betroffen von den verschiedenen Maßnahmen und Aufgaben, die durch das Virus notwendig werden und umgesetzt werden müssen: angefangen von der schwierigen Beschaffung von ausreichend Schutz- und Hygieneartikeln über die zeitweise komplette Schließung der Werk- und Tagesstätten bis zur Einrichtung von Quarantäne- und Isolierbereichen. Mitarbeitende und Klienten zeigen in dieser Krisenzeit einmal mehr, dass sie zusammenhalten und durch Engagement und Flexibilität in der Lage sind, große Herausforderungen zu meistern.

Auf diese Bereitschaft und das Vermögen, Veränderungen anzunehmen und umzusetzen, kann das Sozialwerk St. Georg bauen, um die Anforderungen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) in diesem Jahr weiter umzusetzen. Denn tatsächlich geht es hierbei um nicht weniger als um einen „Systemwechsel“: Das BTHG ordnet die Leistungsverhältnisse und Finanzierungsströme neu, um so die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen für eine inklusive Gesellschaft.

Viele Anpassungsschritte haben wir im Sozialwerk bereits erfolgreich umgesetzt. So waren und sind wir gerüstet für die für die Eingliederungshilfe wichtigste BTHG-Reform Anfang dieses Jahres: die Abschaffung der Pauschalvergütung und die Trennung der Leistungen in Grundsicherung und Teilhabeleistungen. Dies erforderte eine Reihe von Maßnahmen wie zum Beispiel die Beantragung der Grundsicherung durch die Menschen mit Assistenzbedarf bei den zuständigen Sozialämtern sowie die Änderung der zuvor zwischen dem Sozialwerk und den Klienten geschlossenen Verträge.

Der nächste wichtige Schritt ist nun, unsere vielfältigen Dienstleistungen neu zu justieren und modularisieren, damit sie den Maßnahmen entsprechen, die durch das neue Bedarfsermittlungsinstrument BEI_NRW festgesetzt werden. Die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland setzen es ein, um die im BTHG verankerte Bedarfsermittlung umzusetzen. Das bedeutet unter anderem, dass die Klienten nun selbst ihre Ansprüche beim Kostenträger durchsetzen müssen. Falls ihnen das nicht gelingt, gehen Teilhabechancen verloren. Im Rahmen des Projektes „Teilhabe braucht Begleitung“ unterstützt das Sozialwerk daher die Menschen dabei, ihre Bedürfnisse und Pläne klar zu formulieren und hilft zudem, ein für den Einzelnen individuell angepasstes Angebotsportfolio zusammenzustellen.

Für all diese Aufgaben braucht das Sozialwerk St. Georg weiterhin qualifiziertes Personal. Ein wichtiges Thema 2020 + bleibt somit die Bindung und Gewinnung von Fachkräften. Dazu setzt das Sozialwerk weiterhin auf interne Qualifizierungsreihen, und gibt Mitarbeitenden die Chance, sich konsequent weiterzubilden und eigene Karriereziele zu erreichen. Weiter ausgebaut werden zudem Kooperationen mit Hochschulen und Berufsfachschulen. Ein besonderes Augenmerk setzen wir darüber hinaus auf Angebote für junge Menschen, die im Sozialwerk ihren Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Mit einem vielseitigen Fortbildungsprogramm und einer intensiven Begleitung möchten wir die Teilnehmenden dauerhaft für ein Arbeitsleben im sozialen Bereich begeistern.

Denn angesichts der derzeitigen Situation ist dies einmal mehr deutlich geworden: Mit gut ausgebildeten Mitarbeitenden sind wir im Sozialwerk weiterhin für alles gerüstet, was die Zukunft für uns bereithält: Gemeinsam. Anders. Stark.