Sozialwerk St. Georg

Angebote für Menschen - Suche nach Einrichtungen und Angeboten

Angebote für Unternehmen - Informationen für Unternehmen über unsere Werkstätten

Einrichtungen und Angebote suchen
Logo-Gemeinsam-Gewaltfrei-Gleichberechtigt-2018-rgb
IMG-20180607-WA0022 62183485

Unsichtbares sichtbar machen

Gemeinsam. Gewaltfrei. Gleichberechtigt – ist auch ein wichtiges Thema für die Heilpädagogin Sandra Mularczyk, die als Integrationshelferin in einer Grundschule arbeitet. 

Gleichberechtigter Umgang: Was bedeutet das für Sie?

Gleichberechtigter Umgang bedeutet für mich: Vielfalt als Bereicherung zu sehen, miteinander und füreinander da zu sein.  Niemand ist besser, größer oder wichtiger als der Andere. Alle Bedürfnisse sind gleich wichtig. Es braucht einen Lebens(t)raum, in dem Gemeinschaft und Verbundenheit existiert, aber auch Individualität. Jeder Mensch möchte gesehen und angenommen werden, so wie er ist. Jeder Mensch möchte im Rahmen seiner Möglichkeiten größtmögliche Selbstverwirklichung erfahren. Er möchte beitragen und die Gemeinschaft mit seinen Stärken und seinem einzigartigen Sein beschenken. Er möchte er selbst sein dürfen und sich trotzdem als Teil eines großen Ganzen erfahren. Damit ein Mensch zu seinem vollen Potential erblühen kann, ist es wichtig, dass auch seine Grenzen und Einschränkungen berücksichtigt werden. Ein Mensch möchte willkommen sein, mit allem, was er ist. Mit seiner Geschichte, seiner Persönlichkeit, seinen Stärken und Schwächen.

Wie erleben Sie das Thema „gleichberechtigter Umgang“ bei Ihrer Arbeit?

Als Integrationsfachkraft an einer Grundschule gefällt mir der  inklusive Leitgedanke sehr. Jeder soll dazugehören und teilhaben dürfen. Leider begegnen mir im System Schule viele unterschiedliche Gewaltformen. Besonders schockiert bin ich über die strukturelle Gewalt, die ich erlebe. Diese habe ich in meinem eigenen Leben schon oft erfahren, nun sind es meine autistischen Klienten, die sich dem System Schule und der Gesellschaft häufig hilflos ausgeliefert fühlen. Den schlimmsten Schmerz kann ich beobachten, wenn Menschen im System etwas sein sollen, was sie nicht sind. Wenn sie sich über ihre Grenzen hinaus anstrengen müssen und am Ende Verurteilung und Bestrafung erfahren. Sie haben das Gefühl, gescheitert zu sein. Sie sehen sich als Versager, weil sie ständig versuchen jemand zu werden, der besser in die Gesellschaft passt. 

Dieses Phänomen kann ich überall in der Welt beobachten, doch bei autistischen Kindern scheint es besonders gravierend. Ich kenne viele Asperger-Autisten, die in schwere Depressionen bis hin zur Schulunfähigkeit gerutscht sind, weil sie sich völlig überfordert haben und irgendwann das Gefühl hatten, dass es egal ist, was sie tun. Es würde sowieso nie reichen. Der Stresspegel ist oft enorm hoch, da sie damit einer chronischen Belastung ausgesetzt sind, die Folgen für ihre gesamte Entwicklung haben kann.
Doch das größte Leid wird meiner Meinung nach dadurch verursacht, wenn solche Situationen unentdeckt bleiben und Menschen in ihrer individuellen Leidsituation übersehen werden.

Was müsste passieren damit sich alle Menschen gleichermaßen im System Schule angenommen fühlen?

Mein Motto lautet: Unsichtbares sichtbar machen! Bevor Wege, Strategien und Lösungen gefunden werden können, ist es wichtig, Menschen für die Themen der psychischen und strukturellen Gewalt zu sensibilisieren. Vor allem Betroffene und Menschen in sozialen Berufsfeldern sollten lernen, bewusster und achtsamer mit sich, dem Leben und anderen Menschen umzugehen. Sie repräsentieren einen Teil der Gesellschaft und tragen damit eine große Verantwortung. Von einem achtsamen, bewussten und wertschätzenden Umgang, profitieren alle Menschen, nicht nur Menschen mit Behinderung. Es ist mir ein Herzensanliegen, dass Menschen sein dürfen, wie sie sind, dass sie Akzeptanz, aber auch Schutz und Fürsorge erfahren.

Inklusion ist für mich dann gelungen, wenn kein Erwachsener und kein Kind mehr richtig werden muss, um ins System zu passen, sondern dann, wenn erkannt wird, dass jedes Kind und jeder Mensch bereits richtig ist, genauso wie er ist. Erst wenn Menschen friedlich und harmonisch zusammen leben, jeder Raum und Platz hat, zu sein wer er ist und jeder sein volles Potential entfalten kann, existiert ein wahrhaftiges Miteinander.

Kontakt

Portrait Stefan Kuster
Portrait Regina Bruns
Portrait Stefan Kuster
Portrait Regina Bruns

 

Stefan Kuster
Tel.: 0209 7004-205
s.kuster(at)sozialwerk-st-georg.de

Regina Bruns
Tel.: 0209 7004-235
r.bruns(at)sozialwek-st-georg.de

A wie achtsam Key-Visual mit Schriftzug

4 Gewaltbereiche

a-wie-achtsam neu