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„Wirksam sein für mich und für andere“

09.07.2019

Jahresbericht 2018: Arbeits- & Schulungsangebote weiter ausgebaut – Ap¬pell an das Land NRW: „Keine weiteren Barrieren durch das BTHG aufbauen“ – Ziel: Rahmenbedingungen schaffen, damit Menschen gleichberechtigt teilhaben und Einfluss nehmen können.

„Wirksam sein für mich und für andere“

Über das Jahr 2018 und aktuelle Projekte des Sozialwerks St. Georg berichteten: Vorstand Wolfgang Meyer (3. v. re.) und Gitta Bernshausen (4. v. li.) gemeinsam mit (v. li.) Tim Puffler, Martina Lange und Tanja Betzer, die ihren Film „Gemeinsam. Gewaltfrei. Gleichberechtigt!“ präsentierten. Zudem informierten Tom Klinz (4. v. re.), James Minter (2. v. re.) und Kerstin Finger-Balkenhol (re.) über das Projekt „Digital dabei“.

Das Team hinter dem Film: "Gemeinsam. Gewaltfrei. Gleichberechtigt!"

Es waren Tage und Wochen voller origineller Ideen, kreativer Momente und großer Anstrengung: Fünf Klientinnen und Klienten des Sozialwerks St. Georg drehten einen Film zum Thema „Gemeinsam. Gewaltfrei. Gleichberechtigt!“, dem Leitmotiv des Sozialwerks im Jahr 2018. In diesem gehen die jungen Männer und Frauen – humorvoll ausgestattet mit Schirmmütze und überdimensionaler Lupe –  als Detektive der Frage nach, was das Sozialwerk unternimmt, um einen gleichberechtigten Umgang auf Augenhöhe zu garantieren.

„Dies ist ein Beispiel von vielen, wie sich bei uns Menschen mit Assistenzbedarf aktiv mit Themen auseinandersetzen, die ihr Leben betreffen“, betonte Vorstand Wolfgang Meyer am Dienstag (9. Juli) bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2018. „Wir arbeiten stets daran, die Klientinnen und Klienten maximal zu beteiligen und unterstützen sie dabei, ihre Projekte und Visionen zu verwirklichen.“ Dies zeigen auch die inhaltlichen Pfeiler des erfolgreichen Assistenzkonzeptes „Qualität des Lebens“: „Fundament unserer Arbeit ist, dass uns Menschen selbst mitteilen, wie sie sich ihre zukünftige Entwicklung vorstellen“, erklärt Vorstand Gitta Bernshausen. „So werden sie zu aktiven Gestaltern ihres Lebensweges und reflektieren regelmäßig, wie es um ihre individuelle Lebensqualität bestellt ist.“ Dazu dienen unter anderem die acht Domänen – Lebensbereiche – der „Qualität des Lebens“, wie zum Beispiel „Soziale Beziehungen“, „Persönliche Entwicklung“ oder „Rechte“. Im Online-Jahresbericht bilden sie die Grundlage für eine Reise durch das Sozialwerk St. Georg: www.gemeinsam-anders-stark.de/jahresbericht

Die verschiedenen Geschichten und Projekte zeigen, wie das soziale Dienstleistungsunternehmen beständig daran arbeitet, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Menschen mit Assistenzbedarf ein inklusives Leben innerhalb der Gesellschaft zu ermöglichen. Damit handelt es im Sinne des Bundesteilhabegesetzes (BTHG), das die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in geltendes Recht übersetzt. Anfang 2017 in Kraft getreten, wird die nächste Reformstufe des BTHG ab dem 01. Januar 2020 verbindlich. Der dazugehörende Landesrahmenvertrag wurde gerade erst ausgehandelt und wird in wenigen Tagen offiziell vorliegen. „Das BTHG bedeutet nicht weniger als einen ‚Systemwechsel‘“, betont Meyer. „Um die notwendigen Voraussetzungen für eine inklusive Gesellschaft zu schaffen, ordnet es die Leistungsverhältnisse und Finanzierungsströme komplett neu.“

Für das Sozialwerk und alle anderen sozialen Dienstleistungsunternehmen bedeutet dies unter anderem, dass sie ihre über viele Jahre gewachsenen Strukturen ändern und Rahmenbedingungen schaffen müssen, damit Menschen mit Assistenzbedarf von den an sich guten Inhalten des neuen Gesetzes profitieren können. „Das BTHG darf in der Ausgestaltung kein Bürokratiemonster werden, damit es in der verbleibenden knappen Zeit für alle umsetzbar bleibt“, betont Vorstand Meyer, der in diesem Zusammenhang ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Gelsenkirchen und den örtlichen Behörden lobt.  „Uns ist es zudem wichtig, dass sich die Kostenträger gemeinsam mit uns darum kümmern, dass die BTHG-bedingten Veränderungen keine zusätzlichen Barrieren für Menschen mit Assistenzbedarf darstellen.“

Ziel müsse es vielmehr sein, dass Menschen mit Assistenzbedarf mithilfe des BTHG die Möglichkeit bekommen, sich noch stärker auf die Umsetzung ihrer persönlichen Ziele zu fokussieren, ergänzt Vorstand Gitta Bernshausen. „Da die Klientinnen und Klienten im Rahmen eines Gesamtplanverfahrens ab 2020 ihre Ansprüche selbst durchsetzen müssen, sollen sie im Rahmen des Projektes ‚Teilhabe braucht Begleitung‘ befähigt werden, diese deutlich zu formulieren, damit die dahinterstehenden Leistungen auch anerkannt werden.“ (vgl. Artikel „Teilhabe braucht Begleitung“)

Denn nur, wenn Menschen keine Teilhabechancen entgehen, wird es möglich, dass diese durch ihr Zutun die Gesellschaft nachhaltig verändern. „Inklusion bedeutet nicht nur, dass Menschen mit Assistenzbedarf beteiligt werden, sondern dass sie darüber hinaus Einfluss nehmen auf das eigene sowie auf das öffentliche, gesellschaftliche Leben“, betont Gitta Bernshausen. Mit seinem aktuellen Jahresthema „Mitmachen. Teilhaben. Wirksam sein.“ (www.teilhaben-2019.de) fordert das Sozialwerk St. Georg somit auch auf gesellschaftlicher Ebene ein Miteinander auf Augenhöhe, in der strukturelle Gegebenheiten nicht zu einer Benachteiligung führen dürfen.

Dies ist auch das Ziel des BTHG, das zum Beispiel im Bereich Arbeit darauf hinwirken möchte, dass Menschen eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufnehmen. Doch dieser ist ihnen oft verschlossen, wie zum Beispiel die Arbeitslosenstatistik aus Gelsenkirchen zeigt:  1.147 Menschen mit Schwerbehinderung waren hier im Mai dieses Jahres arbeitslos und damit genau 10 Personen mehr als im Vorjahr. Um Menschen mit Assistenzbedarf die Chance zu geben, auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein, schafft das Sozialwerk St. Georg mit seinem Inklusionsunternehmen INTZeit-Arbeit gGmbH eine Brücke. „Ob im Handwerker- oder Elektroservice, im Einzelhandel oder der Gastronomie – die INTZeit-Arbeit ist auch im Jahr 2018 weiter gewachsen und gehört mit seinen mittlerweile 227 Mitarbeitenden – darunter 49 Prozent mit Schwerbehinderung – zu den größten Inklusionsunternehmen in NRW“, betont Wolfgang Meyer. Menschen mit Assistenzbedarf bekämen so die Chance, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen, selbstbestimmt zu leben und mit ihrer Arbeit etwas zu bewirken. Inzwischen biete die INTZeit-Arbeit im Rahmen des Projektes „Zentrum für ambulante betriebliche Inklusion“ – kurz zabi – zudem eine Reihe niederschwelliger Qualifizierungen in Gelsenkirchen an.

„Damit Menschen Einfluss nehmen können, müssen sie zunächst einen Zugang bekommen zu den verschiedenen Bereichen des Lebens“, erklärt Bernshausen. „Dazu gehört zum Beispiel auch die digitale Welt, die im öffentlichen Leben immer mehr Raum einnimmt.“ Insbesondere durch die Kommunikationsmöglichkeiten haben die Klientinnen und Klienten hier zum Beispiel die Chance, über ihre Situation zu berichten und so Einfluss zu nehmen auf die öffentliche Wahrnehmung und Meinungsbildung zum Thema Inklusion.“ Neben der Bereitstellung von technischen Zugängen unterstützt das Sozialwerk die Klientinnen und Klienten im Rahmen des Pilotprojektes „Digital dabei“ zudem darin, ihre Medienkompetenz zu erweitern, indem diese im Rahmen einer Schulung nicht nur über die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten unterrichtet werden, sondern zudem das Reflexionsvermögen für eine sichere, kreative, verantwortungsvolle und selbstbestimmte Mediennutzung aufbauen. Im Anschluss sollen die so geschulten Menschen ihrerseits als Medienberater andere Klientinnen und Klienten dabei unterstützen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden (vgl. Artikel „Digital dabei“).

Gemäß dem Ziel, Menschen dabei zu unterstützen, ihr eigenes Leben selbst in die Hand zu nehmen, passt auch die Devise des Sozialwerks: „So viel ambulante Assistenz wie möglich“. Dementsprechend ist der ambulante Bereich in 2018 weiter gewachsen auf insgesamt 1.622 Klientinnen und Klienten. Somit hat sich das Verhältnis von ambulant zu stationär weiter zugunsten der ambulanten Assistenz verschoben, die Ende 2018 bereits rund 46 Prozent der Assistenzverhältnisse einnahm; 2005 waren es hingegen nur 23 Prozent und im Jahr 2000 gerade mal sechs Prozent. Gitta Bernshausen unterstreicht diesen enormen Wandel: „Ein wichtiges Ziel ist für uns stets, die Menschen zu befähigen, immer weniger Unterstützung in Anspruch zu nehmen und sie so nach und nach in autonome oder autonomere Lebensbezüge zu entlassen“, so Bernshausen. Dies sei den Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitenden des Sozialwerks in den vergangenen Jahren stets zwischen 125 bis 160 Fällen gelungen.

Dass das Unternehmen sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich zufrieden sein kann, zeigen auch die weiteren Kennzahlen des Geschäftsjahres 2018: So stiegen die Umsatzerlöse aus rund 5.100 Assistenzverhältnissen auf 142 Millionen Euro und die Gesamterträge auf rund 153,2 Millionen Euro bei einem Personalaufwand für rund 2.600 Mitarbeitende von rund 112,1 Millionen Euro. Dazu Wolfgang Meyer: „Das Sozialwerk St. Georg ist strategisch gut aufgestellt. Und das trotz der Rahmenbedingungen, zum Beispiel der generell schwierigen Personalgewinnung und der Herausforderungen des Bundesteilhabegesetzes.“ Meyer betont: „Auch in Zukunft können und werden wir bedarfsgerechte Angebote für die Menschen gestalten. Das schließt innovative Lösungen (vgl. Artikel „AAL“) sowie inklusive Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten ein – ganz im Sinne des  inklusiven Gedankens ‚Mitmachen. Teilhaben. Wirksam sein!‘“  

Beispiel-Projekte des Sozialwerks St. Georg:

„Teilhabe braucht Begleitung“: Im Rahmen des Assistenzkonzeptes „Qualität des Lebens“ entwickelt das Projekt die Rolle der Teilhabebegleitung weiter. Die Teilhabebegleiterinnen und –begleiter arbeiten nicht unmittelbar im Assistenzdienst, sondern sind einrichtungsübergreifend für einzelne Klientinnen und Klienten tätig. Ihre Aufgabe es ist, den einzelnen Menschen darin zu bestärken, seine eigenen Interessen nicht aus den Augen zu verlieren und ihm zu den Teilhabechancen zu verhelfen, die ihm zustehen. (www.gemeinsam-anders-stark.de/qualitaet-des-lebens) „Angesichts der gesetzlichen Neuerungen durch das BTHG reicht eine nur auf den internen Dienstleistungsprozess ausgerichtete Unterstützung nun jedoch nicht mehr aus“, betont Projektleiter Martin Klinkhammer. „Wenn der Klient ab 2020 beim Kostenträger selbst seine Ansprüche durchsetzen muss, ist es wichtig, dass er seine Bedarfe deutlich formulieren kann.“ Ansonsten sei die Gefahr groß, dass die erforderlichen Maßnahmen, die für die Verbesserung seiner Lebensqualität nötig sind, nicht finanziert würden. Um dies zu verhindert, ist der Teilhabebegleiter künftig bereits beim ersten Beratungsgespräch mit dabei. Da er einrichtungsübergreifend tätig ist, hat er einen guten Überblick über die verschiedenen Einrichtungen und Möglichkeiten innerhalb des Sozialwerks und kann entsprechend beraten. „Die Teilhabebegleiterinnen und –begleiter fungieren ab 2020 als Schnittstelle zum Kostenträger und übernehmen eine Lotsenfunktion für Menschen mit Assistenzbedarf“, so Klinkhammer. „Sie führen die Klienten durch das neue Gesamtplanverfahren und kümmern sich darum, dass diese im Sozialwerk die Angebote bekommen, die sie benötigen.“

„Digital dabei“:  Ziel des Pilotprojektes „Digital dabei“ ist es, Menschen mit Assistenzbedarf zu Experten für digitale Medien auszubilden. „So wie Unternehmen auch, machen wir uns im Sozialwerk derzeit Gedanken darüber, wie wir angesichts der fortschreitenden Digitalisierung agieren möchten“, erklärt Projektleiterin Kerstin Finger-Balkenhol. „Denn letztendlich ist die Digitalisierung eine Kulturtechnik, ähnlich dem Buchdruck, die auf uns alle bereits einen großen Einfluss ausübt und immer wichtiger werden wird.“ Dementsprechend nutzt das Sozialwerk zunehmend soziale Netzwerke, um auch Angehörige und die Öffentlichkeit mehr in die Arbeit vor Ort miteinzubeziehen. Dafür brauchen wir Menschen, die Spaß daran haben, in der digitalen Öffentlichkeit als Sprachrohr zu fungieren und aus ihrem Alltag heraus kurze Statements zu geben. „Im Sinne der Inklusion sollte dies aber auf keinen Fall den Mitarbeitenden vorbehalten sein“, betont Finger-Balkenhol. „Daher ist es uns wichtig, die Klientinnen und Klienten dabei zu unterstützen, ihre Medienkompetenz zu erweitern, um so die Grundlage für eine sichere und verantwortungsvolle Mediennutzung zu legen.“ Nach der internen Ausbildung ist geplant, dass die neuen Medienexperten ihrerseits Schulungen anbieten, so dass möglichst viele Klientinnen und Klienten, aber auch Mitarbeitende von diesem Wissen profitieren könnten. „Unser Ziel ist es, die Digitalisierung für das Thema Inklusion zu nutzen“, so die Projektleiterin.  

 „AAL“ - Ambient Assisted Living: Zusammengelegte Wäsche liegt auf dem Sofa, die Möbel zeigen verschiedene Stilrichtungen, ein großer Esstisch ist zu sehen: In dieser Wohnumgebung scheint alles zunächst ganz normal. Erst auf den zweiten Blick erkennt man Unterschiede: Kleine Sensoren sind an den Decken, den Türen und Fenstern zu finden und im Wohnbereich hängt ein Tablet. Hier, in der ambulanten Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz in Kamp-Lintfort gibt es seit Februar 2018 drei Wohngemeinschaften mit insgesamt 24 Apartments. Nach den Demenz-Kompetenzzentren in Duisburg-Homberg und  Neukirchen-Vlyn herrscht auch in dem neuen Gebäude der Leitgedanke, Menschen trotz ihrer Erkrankung ein möglichst selbstbestimmtes  Leben zu ermöglichen – unter anderem durch eine technisch-assistierende Umgebung. Die integrierten Bewegungsmelder z.B. am Bett, oder im Bad senden bei Auslösung (z.B. bei Sturzgefährdung) ein Signal an das tragbare Telefon der Mitarbeitenden. Sie wissen dann, dass eine Person nachts aufgestanden ist und Assistenz benötigt. Die intelligente Software liefert darüber hinaus zusätzliche Informationen für die Pflegedienstleitung. Um solche Dienstleistungen zu entwickeln, gibt es eine langjährige Kooperation des Sozialwerks St. Georg mit der inHaus GmbH, einem der führenden Technologie-Anbieter für technische Assistenzlösungen. Diese Zusammenarbeit gipfelt nun in der Beteiligung der Sozialwerk St. Georg Bauen und Wohnen GmbH als Gesellschafter der inHaus GmbH. Dadurch entstehen nun im Sinne der Konzeption „Ambient Assisted Living“ (AAL) ein kombiniertes Angebot aus inhaltlicher Prozessberatung, technischen Assistenzlösungen sowie ein Komplettangebot für die schlüsselfertige Errichtung von assistierenden Betreuungsimmobilien einer neuen Qualität. Anne Huffziger, Geschäftsführerin der Bauen und Wohnen GmbH: „Die Kombination aus unserem Know-how in der Assistenz und Begleitung von Menschen mit Assistenzbedarf sowie der Errichtung von Sozialimmobilien und den technischen Assistenzlösungen der inHaus GmbH ist für uns ideal, um Teilhabe und Selbstbestimmung zu ermöglichen und gleichzeitig dem Fachkräftemangel und dem Kostendruck in der Sozialwirtschaft mit innovativen Lösungen entgegenzuwirken.“  

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