10 Jahre Demenz-WG in Neukirchen-Vluyn
‚Hier darf jeder so lange schlafen, wie er möchte‘“ – so titelte die Neue Ruhr Zeitung (NRZ) Mitte März anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Demenz-Wohngemeinschaft in Neukirchen-Vluyn.
Für Rebecca Litschke beschreibt dieser Satz den Alltag ziemlich genau. „Genau diese Freiheit macht den Unterschied“, sagt die Pflegedienstleiterin. „Die Menschen können hier ihren Alltag so gestalten, wie sie es gewohnt sind.“
Seit 2016 gibt es die Wohngemeinschaft in Neukirchen-Vluyn. Sie zählt bis heute zu den wenigen Angeboten dieser Art im direkten Umfeld. „Ich glaube, wir sind hier im Umkreis immer noch die einzige Demenz-Wohngemeinschaft“, sagt Litschke.
Die Idee dahinter reicht weiter zurück: Bereits 2007 wurden in Duisburg die ersten Demenz-Wohngemeinschaften im Sozialwerk St. Georg eröffnet – mit dem Ziel, bewusst eine Alternative zur klassischen stationären Pflege zu schaffen. Statt großer Einrichtungen mit festen Abläufen entstand ein Konzept, das sich am Alltag der Menschen orientiert. Dieses wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt und auf weitere Standorte übertragen – unter anderem nach Neukirchen-Vluyn und später auch nach Kamp-Lintfort.
Heute leben an den Standorten in Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort jeweils 24 Menschen in drei Wohngemeinschaften mit je acht Bewohner:innen. In Duisburg bestehen mehrere Wohngemeinschaften, in denen das Sozialwerk St. Georg das Konzept erstmals umgesetzt und weiterentwickelt hat.
Wie sich das im Alltag anfühlt, beschreibt Litschke so: „Wir sind der Besuch, der zu den Klient:innen nach Hause kommt.“
Denn genau darin liegt der entscheidende Unterschied: Die Menschen leben hier in ihrer eigenen Häuslichkeit. Sie wohnen nicht in einer Einrichtung, sondern in ihrem Zuhause – gemeinsam mit anderen. Die Mitarbeitenden sind rund um die Uhr vor Ort und unterstützen dort, wo Hilfe benötigt wird.
„Hier gibt es keinen festen Zeitplan, der für alle gilt“, sagt Litschke. „Jeder hat seinen eigenen Rhythmus.“ Der Satz aus der Zeitung bekommt hier eine konkrete Bedeutung: aufstehen, wann man möchte. In Ruhe frühstücken. Gemeinsam kochen oder einfach den Tag ruhig angehen lassen.
Gerade für Menschen mit Demenz sind diese vertrauten Abläufe entscheidend. „Viele Dinge, die man ein Leben lang gemacht hat, bleiben erhalten“, so Litschke. „Das gibt Sicherheit.“
Auch technische Unterstützung gehört inzwischen selbstverständlich zum Alltag der Wohngemeinschaften. Sensoren können beispielsweise melden, wenn Türen geöffnet werden oder sich Bewegungsmuster verändern. Ergänzt wird dies durch einfache Hilfsmittel wie Erinnerungsuhren oder Schlüssel-Finder.
Die Wohngemeinschaften begleiten die Bewohner:innen langfristig – in der Regel bis zum Lebensende. In Zusammenarbeit mit ambulanten Diensten und Palliativangeboten ist die Versorgung auch in fortgeschrittenen Krankheitsphasen möglich.
Zehn Jahre nach der Eröffnung in Neukirchen-Vluyn ist die Nachfrage nach freien Plätze in der Demenz-WG weiterhin hoch – und eine wichtige Alternative zum klassischen Pflegeheim.



