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Geschichte lässt sich nicht nur aus Büchern lernen – manchmal wird sie an einem Ort besonders greifbar. Für die sechs Mitglieder der Kreativgruppe der Tagesstruktur Siegen war der Besuch der Gedenkstätte Hadamar deshalb eine eindrucksvolle Gelegenheit, sich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

Normalerweise basteln, malen, lesen, häkeln oder arbeiten die Mitglieder der Kreativgruppe gemeinsam an Montagearbeiten. Darüber hinaus beschäftigt sich die Gruppe aber auch mit aktuellen Themen und mit Fragen, die unsere Gesellschaft bewegen. Dazu gehört zum Beispiel die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. Das mündet häufig in verschiedenen Aktivitäten, zu denen auch Kolleg:innen und Klient:innen aus verschiedenen Wohnbereichen des Sozialwerks eingeladen.

Geschichte dort erleben, wo sie passiert ist

Der Besuch in Hadamar war bewusst mehr als ein gemeinsamer Ausflug. Nach einer Einführung in die Geschichte der ehemaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ erkundete die Gruppe die Ausstellung und das Gelände der Gedenkstätte. Dokumente, Fotografien und persönliche Lebensgeschichten machten deutlich, welches Leid die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen erfahren mussten. Zwischen 1941 bis 1945 wurden dort fast 15.000 Menschen aller Altersgruppen ermordet, insbesondere psychisch Erkrankte und Menschen mit Behinderung.

„Wenn man sieht, wo etwas passiert ist, macht das die Sache lebendiger“, beschreibt Anke Rötz, Persönliche Assistentin in der Tagesstruktur Siegen, den Gedanken hinter dem Besuch. Sie hat die Fahrt gemeinsam mit ihrer Kollegin Jessica Winkel geplant und durchgeführt. Über Geschichte zu sprechen und sie an einem authentischen Ort zu erleben, sind zwei unterschiedliche Erfahrungen. Der Besuch in Hadamar machte das Geschehene für die Teilnehmenden auf besondere Weise greifbar.

Während des Rundgangs entstanden viele Gespräche. Die Teilnehmenden stellten Fragen, tauschten ihre Gedanken aus und nahmen sich Zeit, das Gesehene auf sich wirken zu lassen. Anke Rötz berichtet, dass der Besuch in Hadamar zugleich als Vorbereitung auf eine Fahrt zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald im kommenden Jahr gedacht ist. Auch dort soll Geschichte nicht nur aus Erzählungen oder Büchern vermittelt, sondern an einem historischen Ort erfahrbar werden.

Am Ende des Besuchs in Hadamar waren sich alle einig: Der Ausflug war weit mehr als eine Besichtigung. Er hat zum Nachdenken angeregt und gezeigt, wie wichtig das Erinnern ist. Eindrücke, die die Kreativgruppe der Tagesstruktur Siegen auch über den gemeinsamen Tag hinaus begleiten werden.

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