„Femmetastisch“: Mitarbeiterin ausgezeichnet
Große Anerkennung für das Engagement von Karen Modersohn-Kluth: Die Mitarbeiterin der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) in Gelsenkirchen ist mit dem dritten Platz des neuen Preises „Femmetastisch“ ausgezeichnet worden. Mit dem Preis würdigt die Stadt Frauen, die sich in besonderer Weise für andere Menschen einsetzen.
Verliehen wurde die Auszeichnung erstmals von der Gleichstellungsstelle der Stadt – kurz vor dem Internationalen Frauentag im Foyer des Musiktheaters im Revier. Rund 180 Gäste waren bei der Veranstaltung dabei. Oberbürgermeisterin Andrea Henze betonte in ihrer Ansprache, wie wichtig es sei, das Engagement von Frauen sichtbar zu machen und zu stärken.
Für Karen Modersohn-Kluth kam die Auszeichnung überraschend. Erst wenige Tage vorher erfuhr sie von ihrer Nominierung. „Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt“, erzählt sie. Insgesamt gab es 25 Vorschläge. Wer sie vorgeschlagen hat, weiß sie bis heute nicht. „Das ist aber auch gar nicht so wichtig. Ich habe mich einfach sehr überwältigt gefühlt.“ Während der Preisverleihung habe sie einen „Kloß im Hals“ gehabt.
Dass sie einmal für ihr Engagement ausgezeichnet wird, hätte sie selbst nicht erwartet. „Ich war immer eher in der zweiten Reihe“, sagt sie. Seit rund 40 Jahren setzt sich Karen Modersohn-Kluth in Gelsenkirchen für gesellschaftliche Teilhabe ein.
Begonnen hat ihr Engagement Mitte der 1980er-Jahre. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl organisierte sie gemeinsam mit einer Freundin Aufenthalte für Kinder aus Weißrussland in Gelsenkirchen. Vier Wochen lang konnten sie sich hier erholen. Karen Modersohn-Kluth kümmerte sich darum, dass die Kinder medizinische Unterstützung bekamen, reiste selbst nach Weißrussland und baute Kontakte auf – unter anderem zur Universität. Bis heute engagiert sie sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft für die Kinder von Tschernobyl.
Im Laufe der Jahre kamen viele weitere Aktivitäten hinzu. Sie engagierte sich im Integrationsrat, in der Quartiersarbeit rund um Schalke und ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Schalke blüht auf“. Außerdem bringt sie sich im Beirat für Menschen mit Behinderungen ein und setzt sich dort für mehr Barrierefreiheit und Inklusion ein. Seit Januar 2026 ist sie dort stellvertretende Vorsitzende und gehört zudem dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Gelsenkirchener Behindertenverbände (AGB) an.
Auch im Freundeskreis Schloss Stolzenfels engagiert sie sich als stellvertretende Vorsitzende. Das Projekt versteht sich als generationsübergreifender Begegnungsort, an dem Menschen zusammenkommen können – etwa bei kulturellen Veranstaltungen, Konzerten oder gemeinsamen Aktivitäten.
Heute arbeitet Karen Modersohn-Kluth hauptamtlich bei der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB). Dort berät sie Menschen mit Assistenzbedarf zu ihren Rechten und Möglichkeiten der Teilhabe. Viele Erfahrungen aus ihrem langjährigen Ehrenamt helfen ihr dabei. „Eigentlich mache ich heute beruflich das, was ich früher ehrenamtlich gemacht habe“, sagt sie.
Was sie antreibt? Für Karen Modersohn-Kluth ist Engagement selbstverständlich. „Ich bin so erzogen worden: Wenn man helfen kann, dann packt man mit an“, sagt sie. Oder, wie sie es mit einem bekannten Zitat beschreibt: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann – sondern was du für dein Land tun kannst.“ Für sie bedeutet das ganz konkret: Ärmel hochkrempeln und einfach machen – hier vor Ort in Gelsenkirchen.
Besonders wichtig sind ihr dabei Themen wie Integration, Inklusion, Barrierefreiheit und Frauenpolitik. Gerade deshalb findet sie es richtig, dass mit dem Preis „Femmetastisch“ das Engagement von Frauen sichtbarer gemacht wird. „Viele Frauen arbeiten im Hintergrund“, sagt sie. „Umso schöner ist es, wenn dieses Engagement auch einmal gesehen wird.“
Bilder: Ellen Lakiet.
