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„Unsere Beschäftigten haben diesen Tag sehr erwartet und waren sehr aufgeregt.“
So beschreibt Marion Muelleneisen, Fachbereichsleiterin in der Emscher-Werkstatt, die Stimmung beim diesjährigen „Schichtwechsel“. Sowohl die Emscher-Werkstatt in Gelsenkirchen als auch die Lenne-Werkstatt in Schmallenberg beteiligten sich an der bundesweiten Aktion, bei der Beschäftigte einer WfbM („Werkstatt für behinderte Menschen“) ihren Arbeitsplatz für einen Tag mit Mitarbeitenden aus Unternehmen und Behörden der Umgebung tauschen.

Emscher-Werkstatt: Neue Einblicke in Gelsenkirchen

Rund 25 Beschäftigte aus der Emscher-Werkstatt machten diesmal mit – und erhielten die Chance, in Betriebe wie die Bogestra, Radio Emscher Lippe, Gelsenwasser, Gelsendienste, die Polizei, Drogerie Müller, den Schalke-Fan-Shop, die Kinderburg, die ELE, die Kleinen Knappen, das Wohn- und Pflegezentrum Bartholomäus und die Stadtverwaltung Gelsenkirchen Einblicke zu gewinnen. Gleichzeitig kamen mehr als 15 Gäste in die Werkstatt, um selbst einmal in die Arbeitsbereiche einzutauchen.

Unter ihnen waren auch Andrea Henze, Stadträtin der Stadt Gelsenkirchen (zuständig für Arbeit und Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz), sowie Takis Mehmet Ali, Sozialdezernent beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Gemeinsam ließen sie sich in den Textilbereich führen – eine Abteilung, die für ihre detailreiche Handarbeit bekannt ist und unter anderem die beliebte Ruhrpott-Kollektion fertigt. Hier arbeiteten sie Seite an Seite mit Beschäftigten an kleinen Stoffbeuteln für den kommenden Weihnachtsbasar.

„Das an der Nähmaschine ist richtig anstrengend“, stellte Andrea Henze lachend fest, nachdem sie selbst Nähte gesetzt hatte. Unter Anleitung von Mitarbeiterin Sandra Zapatka lernte sie, wie viel Sorgfalt in jedem einzelnen Arbeitsschritt steckt – vom Zuschneiden der Stoffe über das Nähen bis hin zum Bügeln.

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielte eine Rolle: Im Rahmen des Projekts Swiftkitchen wurden nach dem Konzert von Taylor Swift im Juni 2024 übrig gebliebene Materialien in der Emscher-Werkstatt zu Taschen und Beuteln verarbeitet – ein Beispiel für Upcycling, das weit über Gelsenkirchen hinaus Aufmerksamkeit fand.

Für Andrea Henze ist die Teilnahme am Schichtwechsel mehr als nur ein Besuch: „Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Arbeit und Beschäftigung – das ist ein Menschenrecht. Ich finde es wichtig, dass wir uns hier vor Ort ein Bild machen und das Thema immer wieder ins Bewusstsein rücken.“

„Das ist gelebte Inklusion“, sagt Marion Muelleneisen. „Die Beschäftigten sind stolz, wenn ihre Arbeit sichtbar wird – und sie erleben, dass andere erkennen, wie viel Können in jedem einzelnen steckt.“

Am Ende des Tages war die Begeisterung bei allen spürbar: bei den Gästen, die einen neuen Blick auf die Werkstatt mitnahmen, und bei den Beschäftigten, die selbstbewusst zeigten, was sie können.

Lenne-Werkstatt: Starke Netzwerke in Schmallenberg

Auch in Schmallenberg war die Resonanz groß: 26 Beschäftigte der Lenne-Werkstatt hospitierten in 24 verschiedenen Betrieben der Region. Möglich machte das vor allem das gute Netzwerk von Mitarbeiter Hartmut Dommes, der seit vielen Jahren als Jobcoach Kontakte aufgebaut hat.

Besonders erfreulich: 18 Beschäftigte legten ihren Arbeitsweg selbstständig mit dem Bus oder zu Fuß zurück. Für acht Teilnehmende wurde ein Fahrdienst eingerichtet – entweder wegen weiter Anfahrtswege, schlechter Busverbindungen oder weil sie nicht gut zu Fuß sind.

Auch zwei Mitarbeitende aus Unternehmen sowie der Bürgermeister von Schmallenberg nutzten die Gelegenheit, einen Tag in der Lenne-Werkstatt mitzuarbeiten. So wurde der Schichtwechsel auch hier zu einem lebendigen Zeichen für Teilhabe und Inklusion – getragen von gegenseitiger Wertschätzung.

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