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Wie können soziale Organisationen die Lebensqualität von Menschen mit Assistenzbedarf nicht nur erfassen, sondern die Erkenntnisse für ihre Weiterentwicklung nutzen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Fachveranstaltung „Strategie trifft Wirkung – Organisationsentwicklung messbar gestalten mit der POS“, zu der das Sozialwerk St. Georg rund 60 Teilnehmende nach Gelsenkirchen eingeladen hatte.

In sieben Fachvorträgen und einer Expertenrunde beleuchteten Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis, wie sich Erkenntnisse aus der Personal Outcomes Scale (POS) für die Weiterentwicklung von Organisationen nutzen lassen. Dabei wurde deutlich: Wirkungsorientierung bedeutet weit mehr als die Einführung eines wissenschaftlichen Instruments. Entscheidend ist, dass gerade auch soziale Organisationen aktiv die Rückmeldungen der Menschen mit Assistenzbedarf systematisch und konsequent für die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Angebote zu nutzen.

Aus Wirkungsmessung wird Organisationsentwicklung

Die gemeinsame fachliche Grundlage der Vorträge und der Expertenrunde bildete die Personal Outcomes Scale (POS) – ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Erhebung der persönlichen Lebensqualität von Menschen mit Assistenzbedarf. In strukturierten Gesprächen berichten sie selbst, was ihnen in unterschiedlichen Lebensbereichen wichtig ist, wo sie sich mehr Teilhabe wünschen und welche Unterstützung sie dafür benötigen. Wissen was wirkt: Die Ergebnisse bilden den Maßstab, um die individuelle Assistenz treffsicher zu gestalten und liefern zugleich wichtige Impulse für die Organisationsentwicklung.

Frank Löbler, Leiter des Ressorts Qualität, Qualitätsmanagementbeauftragter und POS-Master-Trainer des Sozialwerks St. Georg, macht deutlich: „Die eigentliche Herausforderung beginnt nach den Interviews. Entscheidend ist nicht die Datenerhebung, sondern die Bereitschaft, aus den Rückmeldungen Konsequenzen zu ziehen. Erst dadurch wird aus Wirkungsmessung echte Organisationsentwicklung.“

Was das konkret bedeuten kann, erläutert Löbler an einem Beispiel: Melden viele Menschen mit Assistenzbedarf den Bedarf an, sich die digitale Welt besser nutzbar zu machen, sollten daraus konkrete Angebote entstehen – technische Ausstattungen, Kommunikation zu Möglichkeiten und Risiken sowie passende Assistenzleistungen. Wirkungsorientierung ist dabei keine Methode, sondern vor allem auch eine Haltung. Wie sie umgesetzt wird, hängt von den jeweiligen Rahmenbedingungen der Organisationen ab.

Voneinander lernen

Für Manja Buchenau, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ressort Qualität und Mitorganisatorin der Veranstaltung, lebt dieser Prozess vom gegenseitigen Lernen. Jede Organisation bringe andere Voraussetzungen mit und entwickle ihren eigenen Weg. Gerade deshalb sei der offene Austausch über Erfahrungen so wertvoll.

Das Sozialwerk St. Georg zählt zu den Vorreitern bei der Einführung der POS im deutschsprachigen Raum und begleitet als Lizenznehmer inzwischen sieben Partnerorganisationen bei der Umsetzung. Ziel ist es, Organisationen dabei zu unterstützen, Wirkung systematisch zu erfassen und für ihre Weiterentwicklung zu nutzen. Jede Organisation entwickelt dabei ihren eigenen Weg und profitiert vom Erfahrungsaustausch im Netzwerk. Fast alle Partner bei der Veranstaltung vertreten.

Zu den Referierenden gehörten unter anderem Takis Mehmet Ali, Landesrat des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Marco Lombardi vom Equality Research Collective der Hochschule Gent sowie Thomas Kaczmarek, Geschäftsführer des Sozialwerks St. Georg. Praxisbeispiele aus dem Sozialwerk St. Georg, der Stiftung Haus Lindenhof, W.I.R. Sozial-inklusive Dienstleistungen und der Jugendberatung und Jugendhilfe Frankfurt zeigten, wie Wirkungsorientierung umgesetzt wird.

In seinem Vortrag und der anschließenden Expertenrunde machte Takis Mehmet Ali deutlich, dass wirkungsorientiertes Handeln angesichts der Herausforderungen in der Eingliederungshilfe weiter an Bedeutung gewinnt. Dafür brauche es nicht nur geeignete Instrumente, sondern vor allem eine Haltung, die die Perspektive von Menschen mit Assistenzbedarf konsequent in den Mittelpunkt stelle.

Die internationale Ausrichtung der Veranstaltung unterstrich den Anspruch, voneinander zu lernen. Beiträge aus Belgien, Österreich und Deutschland machten deutlich, dass viele Organisationen vor ähnlichen Herausforderungen stehen – und gute Lösungen dort entstehen, wo Erfahrungen geteilt und gemeinsam weiterentwickelt werden.

Die Veranstaltung machte deutlich: Wirkungsorientierung entfaltet ihren Wert erst dann, wenn aus den Rückmeldungen der Menschen konkrete Veränderungen entstehen – für die Unterstützung des Einzelnen ebenso wie für die Weiterentwicklung der gesamten Organisation.

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