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Einmal im Jahr tauschen beim bundesweiten Schichtwechsel Beschäftigte aus „Werkstätten für Menschen mit Behinderung“ (WfbMs) für einen Tag ihren Arbeitsplatz mit Menschen aus anderen Arbeitsbereichen. Sie lernen die Arbeit der jeweils anderen kennen und kommen miteinander ins Gespräch. Die Emscher-Werkstatt beteiligt sich bereits seit mehreren Jahren an der Aktion und war auch am 24. September 2026 wieder dabei. Regina Bruns aus dem Referat für Kommunikation berichtet über ihre Erfahrungen.

„Zwei Cola, bitte!“ Hinter der Theke der Emscher-Werkstatt greife ich nach den Flaschen und suche gleichzeitig mit den Augen nach dem Flaschenöffner. Gerade ist Pause, und vor der Theke warten mehrere Menschen. Sven Heyn und die anderen Beschäftigten, die hier arbeiten, kennen diesen Wechsel: Eben war noch Zeit für ein Gespräch, dann kommen auf einmal viele Bestellungen gleichzeitig.

Ich bin an diesem Tag zum ersten Mal hier im Einsatz. Beim Schichtwechsel habe ich meinen Arbeitsplatz mit Monique L. aus dem Verwaltungsbereich der Werkstatt getauscht. Auch andere Menschen aus dem Sozialwerk und von außerhalb lernen an diesem Tag einen neuen Arbeitsplatz kennen.

An der Theke gibt es Kaffee, Brötchen, Kuchen, Getränke und weitere Speisen, die zusätzlich zum Werkstattessen gekauft werden können. Zwischendurch wird es wieder ruhiger. Zur Mittagszeit füllt sich die große Kantine; überall sind Stimmen und Geschirr zu hören. Hinter uns geht es dann auch in der Spülküche hoch her. Gerade dieses Kommen und Gehen macht den Arbeitsplatz lebendig: Man sieht viele Menschen, nimmt Bestellungen entgegen und hat immer wieder Gelegenheit, ein paar Worte zu wechseln.

Sven Heyn arbeitet schon seit vielen Jahren in der Emscher-Werkstatt. Eine Zeit lang war er Vorsitzender des Werkstattrats. Während wir gemeinsam hinter der Theke stehen, erzählt er mir von seinem beruflichen Weg. Hohe Anforderungen und lange Arbeitszeiten würden ihn belasten, sagt er. Eine Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kann er sich deshalb für sich derzeit nicht vorstellen. An seinem Arbeitsplatz in der Werkstatt schätzt er, dass er arbeiten und mit vielen Menschen in Kontakt sein kann.

Vor meinem Einsatz an der Theke hatte Jobcoach Stefan Suer unserer Besuchergruppe die Werkstatt gezeigt. Rund 565 Menschen sind hier beschäftigt. Sie arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen, etwa in der Verwaltung und Digitalisierung, der Montage u. Verpackung, der Elektrotechnik, der Schreinerei, dem Textilbereich, der Aktenvernichtung, dem Garten- und Landschaftsbau oder der Gastronomie. Suer begleitet Beschäftigte, die ein Praktikum oder einen Arbeitsplatz in einem Betrieb anstreben. Er erklärte uns, wie sorgfältig solche Schritte vorbereitet werden – bis hin zur Frage, wie jemand den neuen Arbeitsweg bewältigt.

Bei der Führung treffen wir auch Konzerngeschäftsführer Wolfgang Meyer in der Schreinerei. Er hat seinen Arbeitsplatz ebenfalls getauscht und fertigt dort unter Anleitung einen Sarg. In der Schreinerei entstehen zudem individuelle Schränke und Möbel für Wohn- und Arbeitsbereiche des Sozialwerks. Auch Aufträge von Kund:innen außerhalb des Sozialwerks werden hier nach deren Wünschen umgesetzt. Bei der Abschlussrunde erzählt Meyer später begeistert davon, wie gut die einzelnen Arbeitsschritte ineinandergreifen.

Während ich in der Kantine mithelfe, lernt Monique L. meinen Arbeitsplatz im Referat für Kommunikation kennen. In der Werkstatt gestaltet sie unter anderem Motive für Tassen. Bei uns begleitet sie Besprechungen, schaut sich Gestaltungsprogramme an und macht Fotos und Videos. Außerdem sammeln sie und meine Kolleg:innen Material und erste Ideen für ein Video über ihren Tag im Referat. Monique L. wollte beim Schichtwechsel sehen, welche Möglichkeiten oder Praktika sich für sie ergeben könnten – und ob sie vielleicht eine neue Tätigkeit entdeckt, die ihr Freude macht. Später erzählt sie, dass der Tag wuselig und voller Eindrücke war. Im Team habe sie sich gut aufgenommen gefühlt.

Auch in der Lenne-Werkstatt in Schmallenberg fand an diesem Tag ein Schichtwechsel statt. Gäste aus Unternehmen und Institutionen der Region arbeiteten in verschiedenen Bereichen mit und kamen mit den Beschäftigten ins Gespräch. Bürgermeister Johannes Trippe besuchte die Werkstatt und tauschte sich vor Ort mit Beschäftigten und Mitarbeitenden aus.

Gegen Ende meines Einsatzes räumen wir hinter der Theke auf. Der Kuchen kommt weg, die Arbeitsflächen werden sauber gemacht. Nach dem Andrang in der Mittagspause wird es in der Kantine allmählich ruhig.

 

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